Analystenmeinung
Stimmen zur Pressekonferenz mit EZB-Chef Trichet

Die wirtschaftliche Erholung in der Euro-Zone wird sich nach den Worten von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet fortsetzen. Allerdings seien einige Unsicherheiten wie der hohe Ölpreis aufgekommen, sagte Trichet.

HB BERLIN. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Schlüsselzins unverändert bei 2 % gelassen. Analysten sagten zu den Äußerungen Trichets in ersten Reaktionen:

Julian Callow, Barclays Capital: „Trichet hat die in Richtung einer strikteren Geldpolitik zielende Rhetorik etwas zurückgenommen. Besonders wenn man sich die Äußerungen zu Beginn der Pressekonferenz ansieht, hat er klar anerkannt, dass einige Unsicherheiten zugenommen haben. Die EZB weiß, dass einige der jüngsten Daten schwächer ausgefallen sind.“

David Keeble, UBM: „Das ist eine mit Blick auf das Wachstum sehr zuversichtliche Rede. Dabei hatten die meisten einen etwas vorsichtigeren Ton der EZB erwartet, was nicht eingetreten ist. Trichet tendiert sicherlich in Richtung höherer Zinsen, auch wenn die (Konjunktur-) Daten in den letzten Monaten etwas schwächer waren.“

Norbert Braems, Sal. Oppenheim: „Ich bleibe bei meiner Meinung: Die EZB hat keinen unmittelbaren Druck die Zinsen zu verändern. Sie sieht die wirtschaftliche Entwicklung relativ zuversichtlich. Entscheidend war die Aussage, dass die Zweitrundeneffekte auf die Inflation schon begrenzt waren. Das gibt der EZB Zeit abzuwarten und das niedrige Zinsniveau beizubehalten. Die EZB wird in diesem Jahr nicht erhöhen müssen. Erst im nächsten Jahr, wenn die Erholung auch in der Binnenwirtschaft stärker wird, dürfte die EZB von den niedrigen Zinsen weggehen. Die EZB sieht aber auch Gefahren für die Erholung. Dies wird von der EZB so gewertet, dass sie auf keinen Fall ein negatives Sentiment schaffen will. Sie sieht auch keinen Grund, weil sie klar sagt, dass der Ausblick unverändert fallende Inflationsraten erwarten lässt. Dann muss ich als Zentralbank auch nicht reagieren, vor allem wenn die Gesamtsituation noch so unsicher ist. Vermutlich will man auch aufkommende Zinssteigerungserwartungen dämpfen.“

Holger Schmieding, Bank of America: „Trichet hat die Unsicherheit etwas mehr betont als beim letzten Mal. Das legt nahe, dass die EZB die Zinsen nicht in Kürze erhöhen wird. Obwohl Trichet, wie schon zuvor, eine Reihe von Aufwärtsrisiken benannt hat, die aufmerksam beobachtet werden müssten. Die Zinsen müssen also möglicherweise erhöht werden, aber so weit sind wir noch nicht. Wir bleiben dabei, die Zinserhöhung wird Mitte nächsten Jahres kommen, weil wir erwarten, dass die wirtschaftliche Entwicklung nicht ganz so gut sein wird wie von der EZB erwartet.“

Jörg Krämer, Invesco Asset Management: „Trichet hat die vom Öl ausgehenden Konjunkturrisiken deutlicher angesprochen als zuletzt. Offensichtlich hat es Eindruck auf die EZB gemacht, dass der Ölpreis gestiegen ist und Frühindikatoren anzeigen, dass die Wirtschaft im zweiten Halbjahr weniger stark wächst als im ersten Halbjahr. Es besteht weiter hohe Wachsamkeit hinsichtlich der Inflation bei der EZB, aber vom Öl angestoßene Zweitrundeneffekte werden nicht erwartet. Die EZB scheint zwar noch de facto zu einer Zinserhöhung zu neigen, allerdings wird sie wohl noch bis Mitte nächsten Jahres abwarten, bis sie die Zinsen tatsächlich erhöht.“

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