Angespannter Arbeitsmarkt drückt die Laune
Hohe US-Produktivität trübt Beschäftigungsperspektiven

Beschleunigte Produktivitätsfortschritte der Unternehmen lassen in den USA zwar ein anziehendes Wirtschaftswachstum, zugleich aber keine deutliche Erholung des Arbeitsmarktes erwarten.

Reuters WASHINGTON. Der Produktionsanstieg der weltgrößten Volkswirtschaft im zweiten Quartal war überraschend stark. Die ebenfalls besser als erwartet ausgefallenen wöchentlichen Arbeitsmarktdaten nährten aber zumindest Hoffnungen auf eine wenigstens leichte Entspannung der Beschäftigungssituation im laufenden Monat. An den Finanzmärkten kam es am Donnerstag zu keinen nennenswerten Reaktionen auf die Daten.

Wie die Statistik des Arbeitsministeriums zeigt, gelang es den Unternehmen, ihren Ausstoß zu steigern, ohne dass sich die Arbeitskosten entsprechend erhöhten. Eine zunehmende Produktivität wirkt sich positiv auf die Gewinnentwicklung aus. Im zweiten Quartal stieg die Produktion je Arbeitsstunde auf die Jahresrate hochgerechnet zum Vorquartal um 5,7 Prozent nach einem Plus von 2,1 Prozent im ersten Quartal. Analysten hatten im Schnitt eine schwächere Beschleunigung des Produktivitätswachstums auf 4,1 Prozent vorausgesagt.

„Das außerordentliche Produktionswachstum geht auf Kosten von mehr Beschäftigung“, sagte Volkswirtin Lara Rhame von Brown Brothers Harriman. „Die Produktivitätszahl ist zu stark“, ergänzte Cary Leahey von Deutsche Bank Securities. Die Daten legten nahe, dass derzeit keine zusätzlichen Arbeitsplätze benötigt werden.

2002 war die Produktivität um 5,4 Prozent und damit in einem Jahr so stark wie seit mehr als einem halben Jahrhundert nicht mehr gestiegen, wie das Ministerium unter Berufung auf revidierte Berechnungen weiter bekannt gab.

Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe weiter unter 400 000

Volkswirte befürchten, dass die allmähliche Konjunkturerholung in den USA zunächst nicht zu einer deutlichen Verbesserung der Beschäftigungssituation führen wird. Dieses Phänomen wird in den USA mit dem Schlagwort „jobless recovery“ bezeichnet. Sollte sich diese Erwartung bestätigen, könnte dies den erhofften Aufschwung bremsen. Denn die angespannte Lage am Arbeitsmarkt drückte zuletzt zunehmend die Stimmung der Verbraucher und droht damit nach Einschätzung von Volkswirten auch den Konsum zu belasten, der sich in den vergangenen Jahren noch als verlässliche Konjunkturstütze erwiesen hatte.

Hoffnungen auf eine zumindest leichte Entspannung am US-Arbeitsmarkt nährte demgegenüber die wöchentliche Statistik zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe. Deren Zahl verringerte sich vergangene Woche auf 390 000 von 393 000 in der Woche davor. Analysten hatten dagegen 395 000 Anträge erwartet. Damit liegt die Zahl nunmehr seit drei Wochen unter der viel beachteten Marke von 400 000. Diese Entwicklung lasse für August wieder einen leichten Zuwachs der Beschäftigtenzahl erwarten, sagte John Lonski von Moody's Investors Service. Im Juli war die Zahl der Beschäftigten überraschend zurückgegangen. Da aber zugleich verstärkt Beschäftigte aus dem Erwerbsleben ausschieden, verringerte sich auch die Arbeitslosenquote auf 6,2 Prozent. Im Juni hatte die Rate mit 6,4 Prozent noch denhöchsten Stand seit neun Jahren verzeichnet.

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