Angst vor ethnischen Spannungen wächst
Krise erreicht den Balkan mit Wucht

Auf dem Balkan drohen soziale Unruhen und Spannungen - denn die Wirtschaftskrise vernichtet Arbeitsplätze und schürt den Hass zwischen verfeindeten Volksgruppen. Die Regierungen fürchten sich vor notwendigen Schritten. Eine ganze Region rückt an den wirtschaftlichen Abgrund.

BERLIN. Neben wirtschaftlichen und sozialen Härten kommt die globale Wirtschaftskrise auf dem Balkan nun mit einiger Verzögerung, dafür aber politisch umso explosiver an. Ethnische Spannungen, politische Dauerfehden und Instabilität drohen den Staaten der Region mit ihren Völkergemischen, je sichtbarer die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise dort werden. "Und der Westen hat genug eigene Probleme, mit deren Lösung er beschäftigt ist, als sich auch noch um die Balkan-Misere zu kümmern", kommentiert der Chefredakteur der in Sarjewo erscheinenden Zeitung "Dnevni Avaz", Sead Numanovic, die Lage.

Die ersten äußeren Anzeichen für die zunehmenden Spannungen sind Forderungen der Opposition nach Neuwahlen in Serbien, während der liberale Präsident Boris Tadic sein Land nach Jahren des politischen Zwistes in stabile Bahnen lenken will. Bei der Präsidentenwahl in Mazedonien am Sonntag dürfte sich ein Kandidat durchsetzen, der in der Frage des Namensstreits zu keinen Kompromissen bereit ist und so die Nato-Beitrittsperspektive weiter blockiert. In Bosnien-Herzegowina können sich die drei Volksgruppen kaum noch einigen. Der serbische Teil, die Republika Srpska, spielt seine ökonomische Überlegenheit gegenüber den kroatischen und bosnischen Landesteilen aus, um doch noch unabhängig zu werden. Im Kosovo sind seit Tagen serbische Dörfer von der Stromversorgung abgeschnitten. Im zu Serbien gehörenden Sandzak nehmen die ethnischen Spannungen zu, und überall auf dem Balkan häufen sich Übergriffe auf die Minderheit der Roma.

Die Regierenden haben Angst vor sozialen Spannungen und schrecken vor nötigen Reformen zurück: So lehnt Rumänien eine Erhöhung der Steuern ab, womit der Staat laut IWF-Forderungen seine Einnahmebasis verbessern müsste. Serbiens Wirtschaftsminister Mladjan Dinkic verhandelt mit einer Delegation des Internationalen Währungsfonds über weitere Hilfen in Höhe von zwei Mrd. Dollar, nach bisher bewilligten 520 Mio. Dollar. Doch die geforderte Reduzierung von Renten und Lohnzahlungen im aufgeblähten Staatsapparat lehnt er strikt ab. Der Weg, über weitere Privatisierungen Staatseinnahmen zu generieren, ist durch die Finanzmarktkrise ohnehin geblockt.

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