Anhaltend hohe Ölpreise belasten
EZB warnt vor Inflation über zwei Prozent

EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing hat erneut davor gewarnt, dass die Inflation im Euroraum wegen der anhaltend hohen Ölpreise auch 2006 noch jenseits von zwei Prozent liegen könne.

HB FRANKFURT. „Die steigenden Ölpreise betreffen nicht nur die derzeitigen Inflationsraten, sondern überschatten auch das nächste Jahr“, sagte Issing „Bloomberg TV“. Für die Europäischen Zentralbank (EZB) herrscht Preisstabilität bei Teuerungsraten etwas unter zwei Prozent.

Die Volkswirte der EZB prognostizierten für den Preisanstieg im kommenden Jahr zuletzt eine Spanne von 1,4 bis 2,4 %, so dass der Mittelwert von 1,9 % gerade noch so der angestrebten Preisstabilität entsprechen würde. Der EZB-Rat warnte jedoch kürzlich vor allem wegen des Ölpreises schärfer vor Inflationsgefahren in der Zukunft, signalisierte aber keine unmittelbar bevorstehende Zinserhöhung. Die Zentralbank ist vor allem besorgt darüber, dass die Energieverteuerung über Zweitrundeneffekte wie etwa starke Lohnerhöhungen das gesamte Preisniveau dauerhaft erhöht.

Bisher zögerte die EZB damit, den Leitzins vom rekordtiefen Niveau von zwei Prozent anzuheben, weil die Teuerung fast nur vom Ölpreis getrieben und in der Binnenwirtschaft bei schwachem Wachstum kein Preisdruck auszumachen ist. Nach Einschätzung der meisten Analysten wird die EZB deshalb noch mindestens bis Mitte nächsten Jahren abwarten.

Im September hatte der Ölpreisanstieg nach den Wirbelstürmen in den USA die Inflation in Deutschland und der Euro-Zone auf 2,5 % getrieben, den höchsten Stand seit vier Jahren hier zu Lande. „Wenn die Inflation kräftig anzieht, nimmt die Gefahr deutlich zu, dass die Inflationserwartungen nicht verankert bleiben und es zu Zweitrundeneffekten kommen kann“, warnte EZB-Ratsmitglied Weber. Issing verdeutlichte die Bereitschaft der EZB, in diesem Fall die Zinsen anzuheben. Bisher seien die Inflationserwartungen nur mäßig erhöht. „Das liegt daran, dass die EZB die Inflationserwartungen überprüft und es gegebenenfalls nicht beim Überprüfen lässt.“ EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte bereits erklärt, die Währungshüter würden wenn nötig handeln.

Der portugiesische Notenbankpräsident Vitor Constancio erklärte unterdessen ebenso wie EU-Währungskommissar Joaquin Almunia, bisher gebe es keine Anzeichen für Zweitrundeneffekte. „Die Löhne steigen weiter auf moderate Weise. Bisher haben sich diese Zweitrundeneffekte nicht materialisiert“, sagte Constancio in Lissabon. Die Inflationserwartungen seien gut bei rund zwei Prozent Preisanstieg verankert. Almunia sagte in Barcelona, die EZB-Geldpolitik könne „eher schrittweise“ bleiben, so lange es nicht zu steigenden Inflationserwartungen komme. Die endgültige Teuerungsrate im September werde voraussichtlich wie schon geschätzt bei 2,5 % liegen.

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