Anhaltender Preisanstieg befürchtet
Volkswirte haben „Inflation auf dem Schirm“

Führende Volkswirte befürchten, dass der durch Energie, Rohstoffe und Nahrungsmittel getriebene Preisanstieg auch in den kommenden Jahren anhalten wird. Das zeigt eine exklusive Umfrage des Handelsblatts. Der Lohndruck halte sich bisher in Grenzen, so dass höhere Preise die Kaufkraft aushöhlen. Und das verheiße nichts Gutes für das Wachstum.

DÜSSELDORF. „Die globale Inflation steigt und wird das auch in den kommenden Jahren noch tun", sagt der Harvard-Professor und ehemalige IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff. „Vor dem Hintergrund, dass übermäßige Liquidität in der Welt ist, Zentralbanken noch mehr Liquidität in den Markt pumpen und die Schwellenländer mit hohen Wachstumsraten zulegen, werden wir die Inflation künftig auf dem Schirm haben", sagt der designierte Chefvolkswirt des US-Wirtschaftsforschungsinstitutes Conference Board, Bart van Ark. „In den Schwellenländern ist die Inflationsära schon angebrochen", sagt Stephen King, Chefvolkswirt der britischen Großbank HSBC. „Es sieht sehr danach aus, als wäre das eine Folge der dort übermäßig lockeren Geldpolitik."

Der anhaltende Preisanstieg bedroht nach Ansicht der internationalen Experten auch die weltweite Konjunktur. „Die Risiken sind global vorhanden, aber sie wirken sich weltweit unterschiedlich aus", meint van Ark. Die Inflation sorge etwa in China für Eigenkorrektur und deute Blasen an, bevor sie platzen. „Europas Wirtschaft ist in einer besseren Lage als die US-Wirtschaft, aber sie muss sich um Zweitrundeneffekte sorgen, weil Lohnverhandlungen die Wettbewerbsfähigkeit bedrohen könnten." Der Inflationsdruck stelle die Zentralbanken vor „sehr schwere Entscheidungen" sagte King von HSBC. „Sie müssen bei der Inflation oder dem Wachstum Risiken eingehen." Der Lohndruck halte sich bisher in Grenzen, so dass höhere Preise die Kaufkraft aushöhlen. "Das verheißt nichts Gutes für das Wachstum", so King.

Der Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, hält „die Finanzmarktkrise gegenwärtig für das größere Risiko". Die „negative Blase“ auf den Kreditmärkten habe zu einer „positiven Blase“ auf den Rohstoffmärkten geführt.

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