Ankäufe problematischer Anleihen
Ökonomen warnen EZB vor Zuspitzung der Euro-Krise

Wie lange schaut sich die EZB den Flächenbrand an? Griechenland, Irland, eventuell bald Portugal oder gar Spanien - je mehr sich die Schuldenkrise ausbreitet, umso größer wird der Druck auf die Notenbanker, einzugreifen. EZB-Präsident Trichet verteidigt jetzt erneut den Aufkauf von Staatsanleihen, doch Top-Ökonomen schlagen Alarm.
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DÜSSELDORF. Führende Ökonomen in Deutschland haben angesichts der weiter grassierenden Schuldenkrise in der Euro-Zone die Europäische Zentralbank (EZB) davor gewarnt, ihr umstrittenes Staatsanleihen-Ankaufprogramm auszuweiten. „Die Fortsetzung und Ausweitung der Ankäufe problematischer Bonds von Euro-Risikostaaten beruhigt zwar die spekulativen Anleger kurzfristig, sie honoriert aber die Risikoverlagerung vom privaten Investor auf die Allgemeinheit und hat ganz problematische Anreizwirkungen für künftige Spekulationsbewegungen“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, Handelsblatt Online mit Blick auf die EZB-Zinssitzung am Donnerstag.

Zudem werde durch diese Politik des Gelddruckens die Basis für Inflation geschaffen. „Es wäre fatal, wenn auch die EZB ihre Glaubwürdigkeit verspielen würde, nachdem schon die Verschuldungsregeln der Fiskalpolitik versagt haben und eine saubere Lösung, wie etwa eine Verdoppelung der Bürgschaften im Euro-Rettungsschirm, nicht in Sicht ist.“

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet rechtfertigte am Dienstagabend noch einmal das umstrittene Ankaufprogramm für Staatsanleihen von Euro-Ländern. Das Programm laufe weiter, sagte er vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments. Unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen seien in Zeiten gerechtfertigt, in denen das ordentliche Funktionieren der Märkte beeinträchtigt sei.

Er gab jedoch keine Hinweise darauf, ob das Programm weiter ausgeweitet werden soll. „Ich darf gemäß den Regeln den anstehenden Entscheidungen des EZB-Rats nicht vorgreifen“, betonte der EZB-Chef. Insbesondere Bundesbankpräsident Axel Weber hatte das mittlerweile auf 67 Milliarden Euro angewachsene Programm kritisiert und vor erheblichen stabilitätspolitischen Risiken gewarnt.

Im Bann der Schuldenkrise in der Eurozone hatten am Dienstag die wichtigsten Aktienindizes der USA weiter nachgegeben. Anleger fürchteten, dass nach Griechenland und Irland ein weiterer europäischer Staat wie Portugal oder Spanien in Schwierigkeiten geraten könnte, sagten Händler. Das spiegele sich in hohen Renditen in den Eurozonen-Randländern, am anhaltend schwachen Euro sowie im steigenden Goldpreis wider. Für einen positiven Impuls hätten dann aber Konjunkturdaten aus den USA wie vor allem das überraschend deutlich aufgehellte Verbrauchervertrauen gesorgt.

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  • [13] Arminius: Schreibfehler: ich denke dass Hilfe "aus" Asien, durch Kauf von EU-Staatsanleihen, immer wahrscheinlicher wird.

  • @[12] EZb: Mehr inflation wagen,

    "PiiGS-Staaten und ihrer kriminellen banken." die "kriminelle banken" sitzen aber nicht in den "PiiGS-Staaten". Sie scheinen da nicht gut informiert zu sein.

  • Der Forderungsverzicht der privaten Gläubiger ist keine Lösung weil kaum ein Privatgäubiger dann wieder sein Erspartes wieder in Staatsanleihen investieren würde. Auch nicht in Deutsche. Mitgefangen mitgehangen.
    Der Forderungsverzicht der privaten Gläubiger würde also dazu führen dass dann nur noch in Gold investiert wird, Gold kann man aber bekanntlich nicht essen. Eine kontrollierte inflation scheint mir da die armlosere Lösung. ich denke dass Hilfe auf Asien, durch Kauf von EU-Staatsanleihen, immer wahrscheinlicher wird.

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