Ankauf von Unternehmensanleihen an
EZB schwenkt auf Fed-Linie ein

Die Europäische Zentralbank (EZB) bereitet offenbar den Boden für den Ankauf von Unternehmensanleihen vor. EZB-Vizepräsident Lucas Papademos sagte in Brüssel: "Potenzielle Maßnahmen schließen den Ankauf von Unternehmensanleihen ein."

FRANKFURT. Zudem könnten sich Banken künftig längerfristiger als bisher Geld bei der EZB leihen. Ziel sei es, "die Liquidität zu erhöhen und die Kredite für die reale Wirtschaft zu verbilligen".

Die Europäische Zentralbank nähert sich damit der Strategie der britischen und der amerikanischen Notenbank Fed an, die längst Unternehmensanleihen aufkaufen. Einige Mitglieder des EZB-Rats standen diesem sogenannten "credit easing" bisher skeptisch gegenüber. Die Begründung: Die Zentralbank setze sich politischem Druck aus, bestimmte Unternehmensanleihen in den Blick zu nehmen. Das verzerre den Wettbewerb.

An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die EZB am 2. April die Zinsen von 1,5 Prozent auf entweder 1,25 Prozent oder gar ein Prozent senken wird. Damit hat die Notenbank ihre zinspolitischen Möglichkeiten weitgehend ausgereizt. Der Gouverneur der niederländischen Zentralbank, Nout Wellink, schrieb in dem am Donnerstag veröffentlichten Jahresbericht seiner Bank, die EZB könnte unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen vornehmen, wenn sich der Leitzins der Null-Grenze nähere und nicht mehr greife.

Mit Blick auf die Laufzeiten der Refinanzierungsgeschäfte der EZB für die Banken hat der Rat der Zentralbank Varianten von einem, zwei und drei Jahren kontrovers diskutiert. Nach den Äußerungen mehrerer Ratsmitglieder scheint man sich offenbar auf die Laufzeit von einem Jahr verständigt zu haben. Bis 2008 konnten sich Banken bei der EZB Geld nur für drei Monate leihen. Als Antwort auf die Finanzkrise bot die EZB dann zusätzlich Geschäfte mit ein- und sechsmonatiger Laufzeit zusätzlich an.

Die EZB will mit den nun angedeuteten Maßnahmen die Kreditvergabe im Euro-Raum ankurbeln. Das Wachstum der Kreditvergabe an private Haushalte und Unternehmen im Februar ist weiter zurückgegangen, teilte die Notenbank gestern mit. Es fiel bei Unternehmen gegenüber Januar von 8,8 auf 7,6 Prozent, bei Haushalten von 1,2 auf 0,7 Prozent.

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin
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