Anleihekauf der US Notenbank
Fed debattierte noch radikalere Schritte

Jetzt wurde das Protokoll der ungewöhnlichen Fed-Sondersitzung im Oktober bekannt. Die Notenbanker diskutierten weit radikalere Schritte als nur den Ankauf von Staatsanleihen. Was die Notenbanker diskutierten.
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HB WASHINGTON. Die US-Notenbank Fed hat vor ihrem Einstieg in das 600 Mrd. Dollar schwere Anleihekaufprogramm noch drastischere Maßnahmen in Erwägung gezogen. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Sitzungsprotokoll des entscheidenden Fed-Gremiums vom 2. und 3. November hervor. Der Offenmarktausschuss beschloss bei diesem Treffen, im Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit den Geldhahn abermals kräftig aufzudrehen. Doch die Mitglieder der über das weitere Vorgehen gespaltenen Federal Reserve hatten zuvor in einer für die Notenbank ungewöhnlichen Sondersitzung per Videokonferenz über eine Reihe neuer Wege in der Geldpolitik beraten. So diskutierten sie am 15. Oktober unter anderem darüber, Ziele für Anleiherenditen und die Inflation vorzugeben sowie die Kommunikation der Notenbank durch Presseerklärungen von Fed-Chef Ben Bernanke zu verbessern.

Die Fed beschloss am 3. November, bis Mitte kommenden Jahres Staatsanleihen im Wert von 600 Mrd. Dollar zu kaufen. Die Maßnahme soll die lahmende US-Wirtschaft mit billigem Geld versorgen und damit Anreize für Investitionen schaffen. Der Schritt schwächt jedoch zugleich den Dollar und ist unter anderem deshalb im In- und Ausland umstritten.

In dem Fed-Protokoll wird die Maßnahme teilweise als eine Absicherung gegen eine weiter sinkende Inflation dargestellt, die sonst in eine Deflation abzugleiten droht. Wenig Aufschluss gibt der Bericht darüber, ob die Fed das Programm eher noch ausweiten oder begrenzen wird.

Bernanke hatte bereits vergangene Woche bei einer Stippvisite in Deutschland zu der massiven Kritik an seiner Geldpolitik Stellung genommen. Er begründet die neue Geldspritze mit der desolaten Lage am Arbeitsmarkt und verwahrte sich vehement gegen Kritik, das billige US-Geld würde über Kapitalimporte die Wirtschaft in den exportorientierten Schwellen- und Industrieländern belasten, indem es deren Währungen aufwerten lässt. Besonders in China, aber auch in Brasilien und Deutschland war der jüngste Schritt der Fed attackiert worden.

Die USA finden nur mühsam aus der schwersten Krise seit den 30er Jahren heraus. Zwar ist die Rezession mittlerweile überwunden, doch das Wirtschaftswachstum bleibt hinter den Erwartungen zurück. Besonders schwierig ist die Lage am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote liegt bei knapp zehn Prozent und damit für US-Verhältnisse ungewöhnlich hoch. Da die Teuerungsrate so niedrig ist wie zuletzt in den 60er Jahren, fürchten nicht wenige Ökonomen und Notenbanker, dass der größten Volkswirtschaft der Welt eine Abwärtsspirale drohen könnte, wenn die Fed nicht massiv gegensteuert.

Die Fed zeichnete in ihrem Protokoll ein pessimistischeres Bild der US-Wirtschaft als bisher: Für 2011 rechnet die Fed mit einem schwächeren Wirtschaftswachstum und einer höheren Arbeitslosenquote als bisher. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde um 3,0 bis 3,6 Prozent steigen. Bisher war die Notenbank von 3,5 bis 4,2 Prozent ausgegangen. 2012 rechnet die Fed jetzt mit einem BIP-Plus von 3,6 bis 4,5 und 2013 mit 3,5 bis 4,6 Prozent. Die Arbeitslosenquote wird 2011 nach den neusten Erwartungen bei 8,9 bis 9,1 Prozent liegen, während bisher noch 8,3 bis 8,7 Prozent prognostiziert wurden.

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