Anpassung nötig
Ifo-Chef: Osterweiterung bietet Chancen für Deutschland

Die bevorstehende EU-Osterweiterung könnte für Deutschland enorme Chancen mit sich bringen. Dies nimmt zumindest der ifo-Chef Hans-Werner Sinn an.

HB MÜNCHEN. „Die Öffnung der Grenzen ermöglicht Wohlfahrtsgewinne für beide Seiten“, sagte der Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung dem „Münchner Merkur“ (Mittwoch). Deutschland müsse sich aber die veränderten Anforderungen anpassen.

So wies Sinn erneut auf einen Lohnanpassungsdruck hin. Die Löhne müssten „langsamer steigen, wenn die Arbeitsplätze gerettet werden sollen, und einige werden sogar fallen müssen“, sagte Sinn. Aus seiner Sicht wäre eine Mehrarbeit bei gleicher Bezahlung der beste Weg, um gegenzusteuern. „Dann fallen die Stundenlohnkosten für die Unternehmen, ohne dass der einzelne Arbeitnehmer auf Einkommen verzichten muss.“ Dies könnte sich genauso positiv auswirken wie ein Produktivitätsschub durch technischen Fortschritt. „Die Wirtschaft kommt schnell auf ein höheres Niveau“, sagte Sinn.

Der ifo-Chef geht auch von sinkenden sozialen Standards durch die EU-Osterweiterung aus. „Die Länder der EU stehen schon heute in einem Abschreckungswettbewerb, um die Wohlfahrtsmigration zu begrenzen und den Sozialstaat trotz Immigration finanzierbar zu halten.“ Dieser Wettbewerb werde sich verschärfen. Er rechne damit, dass in den kommenden Jahren noch viele Reformen nach dem Vorbild der Agenda 2010 folgten. „Dadurch wird im Laufe der Jahre der westeuropäische Sozialstaat erodieren“, sagte Sinn.

Die Erweiterung kommt nach Ansicht Sinns nicht zu früh. „Sie kommt genau richtig, wir müssen uns nur anpassen“, sagte der ifo-Chef. „Sie ist eine historische Notwendigkeit, an der überhaupt kein Weg vorbei führt. Sie ist eine große Herausforderung.“

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