Anspruchsvolle Branchen blühen
Indien wagt die industrielle Revolution

Als globaler Lieferant von Software und IT-Dienstleistungen hat sich Indien Land fest etabliert, nun probt Indien eine verspätete industrielle Revolution. Das Land entwickelt sich in technologieintensiven Produktionsbereichen zu einem ernsten Wettbewerber für China.

NEU DELHI. Als globaler Lieferant von Software und IT-Dienstleistungen hat sich Indien Land fest etabliert, nun probt Indien eine verspätete industrielle Revolution. „Indien entwickelt sich in technologieintensiven Bereichen zum ernsten Wettbewerber Chinas“, sagt Manu Bhaskaran, Asien-Chef der Strategieberatung Centennial Group. „In wenigen Jahren werden in den USA und Europa erste Fabriken schließen, weil sie gegen seine Exporte keine Chance mehr haben.“

Indiens Warenexporte könnten in zehn Jahren von 50 auf 300 Mrd. Dollar explodieren, heißt es in einer McKinsey-Studie. Die Berater rechnen mit einer zweiten Welle der Produktionsverlagerung in Niedriglohnländer, die dem Land in die Hände spielt: Nach der Abwanderung von Billig-Produkten wie Spielzeug und Textilen aus dem Westen – hauptsächlich nach China – steht für sie eine noch größere Welle bei technologieintensiver Fertigung an. Das könnte Indiens Anteil am globalen Warenhandel von einem auf 3,5 Prozent steigen. Bereits jetzt entfallen 40 Prozent seiner Produktion auf wissensintensive Fertigung.

Tatsächlich blühen anspruchsvolle Branchen wie Autoteile, Feinchemie, Pharma, Elektrotechnik sowie Maschinen- und Anlagenbau auf. Sie profitieren von niedrigen Ingenieurslöhnen und Standortvorteilen bei Forschung und Entwicklung. Und das trotz diverser Hürden: So wird das Wachstum behindert von drakonischen Arbeitsgesetzen und von eklatanten Infrastrukturengpässen.

Bislang kommt in Indien die Industrie nur für ein Viertel der Wirtschaftsleistung auf – in China sind es dagegen 53 Prozent. „Bei Muskelarbeit kann Indien gegen China nicht mithalten“, gibt Baba Kalyani zu, Chef von Bharat Forge, der zweitgrößte Schmiedekonzern der Welt, „aber bei Kopfarbeit hat unsere Industrie Vorteile.“ In seinem hoch technisiertem Schmiedewerk haben 70 Prozent der Mitarbeiter einen Hochschulabschluss. Die Hälfte der Produktion geht an Konzerne wie DaimlerChrysler und Toyota nach Übersee. „Ohne bessere Infrastruktur und ein lockeres Arbeitsrecht bleibt billige, arbeitsintensive Massenfertigung wie in China in Indien unmöglich“, sagt Arvind Virmani, Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts Icrier. Dass wissensintensive Industrien dauerhaft mit zehn Prozent oder mehr wachsen, prognostiziert aber auch er.

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