Anstieg der Arbeitslosigkeit
Wirtschaftsweise fordern Reformen

Das deutsche Job-Wunder ist vorbei. Nach dem Konjunktureinbruch rechnet der Sachverständigenrat nun mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Hürden für reguläre Beschäftigungsverhältnisse seien in Deutschland noch zu hoch, sagen die Experten. Sie fordern eine ehrliche Debatte über Leiharbeit, befristete Jobs und geringfügige Beschäftigungen.

DÜSSELDORF. Der Sachverständigenrat rechnet für das kommende Jahr wieder mit steigender Arbeitslosigkeit. Im Jahresmittel werde die Zahl der Jobsuchenden von 3,268 auf 3,303 Millionen steigen. Dies geht einher mit einem leichten Rückgang der Erwerbstätigenzahl von 40,3 auf 40,2 Millionen und einem Rückgang der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 51 000 auf dann 27, 44 Millionen. Dies geht aus dem Jahresgutachten "die Finanzkrise meistern - die Wachstumskräfte stärken" hervor, das heute vorgestellt wird und dem Handelsblatt bereits vorliegt.

Wesentlicher Grund sei der Konjunktureinbruch. Außerdem seien die Tarifabschlüsse im laufenden Jahr zu hoch. "Der Verteilungsspielraum wurde überzogen. Die Tarifparteien sind ihrer lohnpolitischen Verantwortung nicht nachgekommen." Einem beschäftigungsneutralen Verteilungsspielraum von 1,3 Prozent stünden Tariflohnsteigerungen von 2,5 Prozent gegenüber.

Der zu Ende gehende Boom auf dem Arbeitsmarkt habe "viele Väter", kommentieren die Wirtschaftsweisen das Job-Wunder, das dazu führte, dass die Arbeitslosigkeit von zeitweise über fünf auf unter drei Millionen sank. Eine wesentliche Ursache sei der rasante Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahre gewesen. Einen weiteren Beitrag zur Schaffung neuer wettbewerbsfähiger Arbeitsplätze hätte die "insgesamt moderate Tarifpolitik geleistet, indem sie Verteilungsspielräume nicht voll ausschöpfte". Ein dritter Punkt seien die rot-grünen Arbeitsmarktreformen gewesen, insbesondere die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe und die Einschnitte beim regulären Arbeitslosengeld. Dank dieser Reformen hätten Flexibilität und Dynamik am Arbeitsmarkt im Vergleich zu früheren Aufschwungsphasen deutlich zugenommen. "Auf diesem Weg sollte die Wirtschaftspolitik fortschreiten", so die verbeamteten Ökonomie-Professoren.

Das Waisenkind der Arbeitsmarktentwicklung sei die ungleiche Verteilung von Chancen und Risiken, konkret: die weitere Ausdifferenzierung in Kern- und Randbelegschaften. "Viele Arbeitnehmer ernten derzeit die Früchte zielführender Reformen auf dem Arbeitsmarkt und einer moderaten Tariflohnpolitik der letzten Jahre, aber eben nicht alle." Dies werde schlaglichtartig durch die unterschiedlichen Formen atypischer Beschäftigungsverhältnisse, wie Leiharbeit, befristete Jobs und geringfügige Beschäftigung deutlich. Die gestiegene Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt werde hauptsächlich von den atypischen Beschäftigungsverhältnissen getragen.

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