Anstieg des Ölpreises bereitet Politikern zumehmend Sorge
Ölpreis wirkt sich nicht auf Erholung aus

Die Konjunkturerholung in der Euro-Zone wird nach Einschätzung des österreichischen Notenbankgouverneurs Klaus Liebscher durch den jüngsten Ölpreisanstieg nicht in Frage gestellt. Er halte daran fest, dass die schrittweise Erholung intakt bleibe.

HB WIEN. Es gebe keinen Grund, diese Meinung zu ändern, sagte Liebscher am Donnerstag am Rande einer Veranstaltung in Wien. An der Erwartung eines stabilen Preisniveaus ändere der Ölpreisanstieg ebenfalls nichts, auch wenn das Preisniveau dadurch vorübergehend steigen würde. In seiner Rede bekräftigte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) die Einschätzung der Notenbank, dass die Wirtschaft des Euroraums sich allmählich von ihrer dreijährigen Talfahrt erholt.

„Während das Wachstum bisher relativ verhalten war, geben sowohl externe als auch heimische Faktoren Anlass dafür, eine Verstärkung der Erholung im Lauf von 2004 und darüber hinaus zu erwarten“, sagte Liebscher. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte erst in dieser Woche diese Einschätzung vor dem Europäischen Parlament bekräftigt. Fast alle Bankvolkswirte gehen davon aus, dass die EZB bei der nächsten Ratssitzung am 6. Mai den Leitzins von 2,00 Prozent erneut unverändert lassen wird. Die Zinsen werden nach Ansicht der Mehrheit der Beobachter noch längere Zeit stabil bleiben und frühestens zum Jahresende angehoben, wenn die wirtschaftliche Belebung nicht zum Stillstand kommen sollte. Etwa drei von zehn Analysten rechnen aber mit einer weiteren Zinssenkung in den kommenden Monaten, da die Erholung noch immer sehr anfällig für Rückschläge ist.

Zunehmend Sorge bereitet Politikern und Wirtschaftsforschern der starke Anstieg des Ölpreises, der wegen des spürbaren Euro-Kursrückgangs inzwischen stärker auf die Preise in Europa durchschlägt. Der Preis für ein Barrel der Nordsee-Ölsorte Brent war kürzlich über 34 Dollar gestiegen und näherte sich damit dem höchsten Stand seit 1990 von mehr als 35 Dollar. Am Wochenende hatten die sieben wichtigsten Industrieländer (G-7) gewarnt, der hohe Ölpreis sei eines der Hauptrisiken für den Aufschwung der Weltwirtschaft. Nach Bundesfinanzminister Hans Eichel forderte auch Liebscher die Organisation Erdöl produzierender Länder (Opec) zu einer gemäßigten Preispolitik auf. Die Opec-Staaten hätten ein Interesse an der weltweiten Wirtschaftserholung und eine Verantwortung für Preise, die mit der Erholung vereinbar seien.

Liebscher sagte weiter, die guten Aussichten für die Konjunktur würden von günstigen Aussichten für die Preisstabilität im Währungsgebiet unterstützt. Die Teuerungsrate könne vorübergehend zwar etwas ansteigen, werde aber mittelfristig in Einklang mit der Stabilitätsdefinition der EZB stehen. Diese sieht die Preisstabilität bei Jahresraten unter 2 Prozent erreicht. „Weder die Lohnentwicklung noch die Inflationserwartungen sind bisher ein größeres Risiko für diese Einschätzung.“

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