Anstieg im Rahmen der Inflationsrate
Einzelhandel hält Preis-Aufregung für überzogen

Viel Lärm um nichts? Trotz der deutlichen Preiserhöhungen für Molkereiprodukte müssen die Verbraucher nach Einschätzung des Einzelhandelsverbandes HDE im Schnitt nicht wesentlich tiefer in die Tasche greifen.

HB DÜSSELDORF. „Die Lebensmittel sind insgesamt derzeit im Vergleich zum Vorjahr knapp zwei Prozent teurer. Diese Preissteigerung könnte auch im Gesamtjahr herauskommen“, sagte HDE-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr. Damit läge der Anstieg im Rahmen der Inflationsrate.

In den vergangenen Tagen kündigte der Discounter Aldi in großflächigen Zeitungsanzeigen Preissteigerungen für Milch und Molkereiprodukte an. Die gestiegenen Beschaffungskosten hätten Aldi dazu gezwungen, erläutert das Unternehmen seinen Kunden. Der Discounter gilt als richtungweisend in der Branche. Es dürften also weitere Lebensmittelhändler dem Beispiel folgen. Die Kette Norma informierte ihre Kunden bereits, dass sich Preisanpassungen nicht immer vermeiden ließen. Der Discounter Lidl wollte sich nicht äußern.

Aldi und Norma führen Ernteausfälle bei Getreide und Obst, Nachfragesteigerungen auf dem Milchmarkt und steigende Energiepreise als Gründe für die Verteuerungen bei den Lieferanten an. „Bei Milch und Molkereiprodukten haben die Teuerungen schon eine besondere Dimension. Auch bei Getreide bis hin zum Bier gibt es Preissteigerungen, die sind aber moderat“, sagte Pellengahr. „Die Auswirkungen auf die Haushalte sind aber letztendlich begrenzt. Milch und Molkereiprodukte haben einen Anteil von etwa einem Prozent am Warenkorb.“ Die Kunden griffen auch bei den verteuerten Produkten weiterhin zu: „Der Absatz ist nicht erkennbar zurückgegangen, obwohl die Preiserhöhungen zum Teil schon einige Wochen alt sind“, erläuterte er.

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte erklärt, dass steigende Milchpreise die gesamte Lebenshaltung kaum verteuerten. Auch die Belastungen von Niedrigverdienern dürften sich in engen Grenzen halten, wenngleich der Anteil des Einkommens, der für Lebensmittel ausgegeben wird, bei ihnen höher sei als bei Gutverdienern.

Pellengahr macht auch die Festschreibung von Quoten bei Milch und Zucker in der EU dafür verantwortlich, dass die steigende Nachfrage jetzt nicht gedeckt werden kann. Hinzu komme, dass durch eine überzogene Förderung nachwachsender Rohstoffe immer mehr Ackerflächen für die Nahrungs- und Futtermittelproduktion wegfielen. Darauf hatte auch die Süßwarenbranche hingewiesen.

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