April-Daten
Chinas Wirtschaft verliert an Schwung

China bekommt die Euro-Krise zu spüren. Der Aufschwung hat sich überraschend stark abgeschwächt. Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze wachsen deutlich langsamer. Gleichzeitig geht die Inflation zurück.
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PekingChinas Aufschwung bremst sich stärker ab als erwartet. Die Lokomotive der Weltkonjunktur bekommt nun ihrerseits die Wirtschaftsschwäche vor allem der Europäer zu spüren und büßt auf breiter Front an Zugkraft ein. Dies zeigte am Freitag eine Reihe von April-Daten, die überraschend schwach ausfielen und damit die Finanzmärkte belasteten. Die Industrieproduktion wuchs so langsam wie seit drei Jahren nicht mehr, und auch der Einzelhandelsumsatz verliert an Fahrt. Da auch die Inflation nachlässt, halten Volkswirte ein aggressiveres Gegensteuern von Regierung und Notenbank für erforderlich.

„Die Daten deuten auf ein weiteres Abbremsen der Wirtschaft zu Beginn des zweiten Quartals hin, alle Bereiche der privaten Nachfrage sind schwach“, sagte Dariusz Kowalczyk von Credit Agricole-CIB. „Das erhöht den Druck, sowohl fiskal- als auch geldpolitisch neue Anreize zu liefern.“ Seit dem Herbst bereits setzt die Führung in Peking hier Akzente, um die Dämpfer durch die Schuldenkrise im wichtigsten Exportmarkt Europa wettzumachen. "Um die Wirtschaft wieder flott zu kriegen, hat sich die Regierung weitgehend passiver Maßnahmen bedient, aber diese Strategie scheint zu scheitern", kritisierte der Ökonom Alistair Thornton von IHS Global Insight. „Nötig ist jetzt eine entschlossenere Geldpolitik.“

So wird erwartet, dass die Zentralbank die Kreditvergabe der Geschäftsbanken erneut anheizen könnte, indem die Reserve-Anforderungen für die Geldhäuser herabgesetzt werden. Doch die Notenbanker befinden sich in Habachtstellung, nachdem die Konjunkturhilfen im Zuge der Finanzkrise 2008/09 die Inflation hochgetrieben und zu einer Immobilienblase beigetragen haben.

Im Bann der Inflation

Immerhin schwächte sich der Anstieg der Verbraucherpreise im April im Vorjahresvergleich auf 3,4 Prozent ab von 3,6 Prozent im März. Das Niveau liegt deutlich unter dem Dreijahreshoch von 6,5 Prozent, das im Juli 2011 erreicht wurde. Insbesondere auch die Teuerung bei Nahrungsmitteln hat sich in diesem Jahr erheblich abgeschwächt. „Die Zentralbank betrachtet die Dinge aber wahrscheinlich vorsichtiger“, gab Nomura-Volkswirt Zhang Zhiwei zu bedenken. Sie werde vor allem strukturelle Faktoren wie die Lohnzuwächse aufmerksam im Blick behalten.

Auf die anhaltende Geldknappheit der chinesischen Firmen insbesondere im Bausektor deuten die Sachinvestitionen hin, deren Anstieg in den ersten vier Monaten dieses Jahres mit 20,2 Prozent so niedrig war wie seit Dezember 2002 nicht mehr. Außerdem belegt die Zahl, dass die Nachfrage auf Chinas Exportmärkten dünner ist als bislang gedacht. Auch die Neukredite der Banken waren im April deutlich geringer als erwartet.

Die Industrieunternehmen erhöhten ihren Ausstoß im vergangenen Monat zwar um 9,3 Prozent. Aber auch dieses Plus lag unter den Analystenprognosen und war zudem das niedrigste seit Mai 2009. Der Einzelhandel kann ebenfalls sein Tempo nicht halten. Der 14-prozentige Umsatzzuwachs im April bedeutet den schwächsten Wert seit mehr als einem Jahr.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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