Arbeitskosten-Studie
Auf hohem Niveau

Arbeit ist in Deutschland nach wie vor so teuer wie in fast keinem anderen Land der Welt – und das, obwohl die Löhne jahrelang nur moderat gestiegen sind. Das ist das Ergebnis einer neuen, noch unveröffentlichten Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, die dem Handelsblatt vorliegt.

DÜSSELDORF. Nur in Dänemark ist eine Arbeitsstunde im verarbeitenden Gewerbe demnach teurer als hier zu Lande. Ebenso schlecht schneidet Deutschland ab, wenn man die Kosten von Zulieferern wie unternehmensnahen Dienstleistern und Händlern mitberücksichtigt.

Die genaue Abgrenzung von Arbeitskosten für internationale Lohnkostenvergleiche ist unter Ökonomen umstritten. Im vergangenen Jahr war darüber zwischen dem IW und dem gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in Düsseldorf ein Streit ausgebrochen. Das IW betrachtete bislang nur die Lohnkosten der Industrie, das IMK die Kosten in der Gesamtwirtschaft. Diese unterschiedliche Systematik führte zu widersprüchlichen Ergebnissen: Während die hiesige Volkswirtschaft auch in der damaligen IW-Studie das zweitteuerste Land war, kostete laut IMK Arbeit in mehreren europäischen Ländern wie Frankreich oder Beneluxländern mehr.

Dafür, das verarbeitende Gewerbe in den Fokus zu nehmen, spricht laut IW „der über den Außenhandel stattfindende internationale Standortwettbewerb“. So waren im vergangenen Jahr knapp 90 Prozent aller deutschen Exporte Industriegüter. Weil der Anteil der Industrie an der Gesamtwirtschaft mit etwa einem Viertel jedoch relativ gering ist und in der Dienstleistungsbranche in Deutschland teilweise deutlich geringere Löhne als in der Industrie gezahlt werden, schneidet das Land beim Blick auf die Arbeitskosten in der Gesamtwirtschaft besser ab.

„Die Industrie ist nicht die perfekte Wahl“, gibt jetzt einer der Autoren der neuen IW-Studie, Christoph Schröder, zu. Als Zulieferer spielten die Dienstleister auch für die Produktion von Industriegütern eine Rolle – dieser Einwand sei „durchaus berechtigt“. Zum einen verlagere die Industrie zunehmend Geschäftsprozesse an externe Dienstleister und schmälere somit ihre Eigenfertigung. Zum anderen sei der Kunde immer weniger am reinen Industrieprodukt, sondern stärker an integrierten Problemlösungen interessiert. Die Intensität der Vorleistungen – sprich: der Anteil der Vorleistungsbezüge am Wert der Produkte – kletterte in den Jahren 1992 bis 2004 im verarbeitenden Gewerbe laut IW um vier Prozentpunkte auf 66 Prozent.

Kann die deutsche Industrie durch die Zulieferungen aus dem Dienstleistungssektor ihre Kostenposition und somit ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern? Das haben Wissenschafter des Kölner Instituts nun analysiert. Mit dem Ergebnis: Bildet man einen so genannten Vorleistungsverbund – betrachtet man also die Industrie und ihre Zulieferer zusammen – und untersucht die durchschnittliche Höhe der gesamten Arbeitskosten, wird sinken die Arbeitskosten um vier Prozent.

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