Arbeitslosenzahl: Mehr als drei Millionen Menschen ohne Job

Arbeitslosenzahl
Mehr als drei Millionen Menschen ohne Job

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Januar wieder über die psychologisch wichtige Drei-Millionen-Marke gestiegen. BA-Chef Frank-Jürgen Weise macht das Winterwetter für Anstieg verantwortlich.
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Nürnberg/BerlinDie Zahl der Arbeitslosen in Deutschland hat im Januar deutlich die Marke von drei Millionen übersprungen und erreicht damit den höchsten Stand seit fast zwei Jahren. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) führte dies am Donnerstag allein auf saisonale Gründe wie das Winterwetter und Entlassungen nach dem Weihnachtsgeschäft zurück. Das ungünstige wirtschaftliche Umfeld mit der Rezession in Europa und der schwachen Weltkonjunktur habe auf dem Arbeitsmarkt "nur wenig Spuren hinterlassen", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise in Nürnberg. Im Februar könnte die Arbeitslosenzahl weiter steigen. Der Wintereinbruch spiegelt sich in den Zahlen noch nicht wider, weil bis zum Zähltag am 15. Januar gutes Wetter herrschte. "Die etwas kältere Zeit wird sich in die Zahl des Februars mit einmischen", sagte Weise.

Bei der BA waren im Januar 3,138 Millionen Arbeitslose registriert. Das seien 298.000 mehr gewesen als im Dezember und 54.000 mehr als vor einem Jahr. Noch mehr Arbeitslose hatte es zuletzt im März 2011 mit gut 3,2 Millionen gegeben. Über drei Millionen Arbeitslose waren zuletzt im März 2012 registriert. Die Arbeitslosenquote stieg in diesem Januar auf 7,4 Prozent.

"Der aktuelle Anstieg der Arbeitslosigkeit hat rein saisonale Gründe", sagte Weise. In den Außenberufen wie am Bau werde weniger gearbeitet, viele befristete Verträge liefen nach dem Weihnachtsgeschäft aus und die Betriebe stellten generell zu dieser Jahreszeit nicht so viele neue Mitarbeiter ein. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen ging die Erwerbslosenzahl überraschend um 16.000 zurück. Volkswirte bei den Banken hatten eine Zunahme um 8000 erwartet.

Entsprechend positiv reagierten die Volkswirte auf die neuen Zahlen. "Die Daten sind eine positive Überraschung", sagte Peter Meister von der BHF Bank. "Die Stimmung dreht." Den Rückgang der Wirtschaftsleistung in Deutschland im vierten Quartal 2012 sähen die Unternehmen "als temporäre Schwächephase". Thomas Gitzel von der VP Bank sagte: "Die Stimmungsaufhellung ist allgegenwärtig." Ein deutlicher Stellenaufbau werde aber auf sich warten lassen, auch weil sich die Auftragslage noch nicht verbessert habe.

Die Erwerbstätigkeit und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahmen weiter zu. Das Plus zum Vorjahr wird aber immer kleiner. Im Dezember gab es laut Statistischem Bundesamt 41,81 Millionen Erwerbstätige im Inland, 289.000 mehr als ein Jahr zuvor. Sozialabgabenpflichtig beschäftigt waren im November nach BA-Berechnungen 29,39 Millionen Menschen, 365.000 mehr als ein Jahr davor. Im Vergleich zum Vorjahr habe die Beschäftigung in fast allen Branchen zugelegt, sagte Weise. Ein deutliches Minus gebe es in der Zeitarbeit.

Die heutigen Zahlen bestätigen, dass das deutsche Jobwunder von seinem Glanz verloren hat. Dennoch sollte der Arbeitsmarkt das Wachstum weiter unterstützen", sagt Carsten Brzeski von der ING Bank. "Während die Exportindustrie zuletzt eine höhere Arbeitslosigkeit hatte und die Firmen ihre Neueinstellungen herunterschraubten, suchten die Binnenmarkt orientierten Unternehmen - wie am Bau oder im Gesundheitssektor - noch verstärkt Mitarbeiter."

Beim Ausblick bleibt die BA vorsichtig. "Für das Jahr 2013 insgesamt gilt die Überschrift: Unsicherheit", sagte Weise. "Deshalb würde ich nicht sagen, wir sind sicher auf dem Weg der Besserung. Es gibt gute Argumente, dass es dann nicht schlimmer werden müsste, sondern besser werden kann." Die BA gehe weiter von 2,9 bis 3,0 Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt und einem Verharren der Beschäftigung auf hohem Niveau aus.

Auch in der Entwicklung der konjunkturellen Kurzarbeit sieht die BA keinen Anlass zur Sorge. Nach Worten von BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker waren im November gut 69.000 Beschäftigte und damit 4000 mehr als im Monat zuvor in dieser Zwangspause. Das sei ein "Niveau, das wir jetzt nicht als auffällig bezeichnen würden", sagte Becker.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • 41,81 Millionen Erwerbstätige im Inland,
    29,39 Millionen sozialabgabenpflichtig beschäftigt,
    somit 12,42 Millionen Menschen nicht-sozialabgabenpflichtig erwerbstätig. Das sind 29,71 %.

    Mindestens 29,71% der Menschen werden in Zukunft ihre volle Altersrente als Sozialrente bei Städte und Kommunen beantragen. Dann sind endgültig all die Politiker-Lügen entlarvt.

  • Und meiner Ansicht nach haben die mindestens 5 Millionen Arbeitslose vergessen aufzuzählen!

  • Kapieren Sie nicht, wir Menschen sind Europa und Europa wird von den Politikern mit dem Märchen der Gemeinschaftswährung verarscht. Oder sind Sie zu faul die D-Mark in eine andere Währung umzutauschen.
    Das ist nur ein unbedeutender Vorteil, der angeblich so wichtig sei. So ein Blödsinn kann nur von den Reihen der Politik kommen, die der Bevölkerung seit Jahren eine gezielte Gehirnwäsche verabreicht.

    Südeuropa versinkt permanent in der Wirtschaftskrise.
    Wer trägt die Verantwortung für Schulden, Arbeitslosigkeit, unendliches Elend, Korruption und Chaos? Das sind eindeutig unsere Politiker, die den Euro bis zum Untergang verteidigen wollen.

    Bankräuber richten weniger Schaden an. Doch werden Bankräuber mit Gefängnis bestraft. Wann werden unsere Politiker verurteilt und eingesperrt? Für das europäische Wirtschaftsverbrechen wäre die Todesstrafe gerechtfertigt.

    Die Gemeinschaftswährung mit dem Euro zerstört die Wirtschaftskraft in Europa. Namenhafte Politiker, Ökonomen und Professoren warnen seit vielen Jahren vor diesen Zuständen, die wir jetzt in Südeuropa erleben. Die Gemeinschaftswährung führt zum wirtschaftlichen Zusammenbruch in Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Frankreich. Diese Länder brauchen ihre eigene Währung um zu überleben.

    Deutschland wird die D-Mark wieder einführen. Den Südstaaten ist auch durch ständige Subventionierung nicht mehr zu helfen.

    Weil immer mehr Geld in den Süden fließt, kann die deutsche Bundesregierung soziale Verpflichtungen den Bundesbürgern gegenüber nicht lange aufrechterhalten. Südeuropa wird die schlimme Armut nach Deutschland transferieren.

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