Arbeitslosenzahlen
Arbeitsmarkt: Wenig Licht, viel Schatten

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz sprach gleich von einer "kleinen Sensation". Das vielgepriesene Instrument der Kurzarbeit habe Hunderttausende Menschen vor Arbeitslosigkeit bewahrt, lobte der krisenerprobte Sozialdemokrat. Für ausländische Medien sei diese Entwicklung bereits ein "deutsches Wunder", frohlockte Scholz. Doch die Aussichten sind weniger rosig.

BERLIN. In der Tat fielen die neuen Arbeitsmarktdaten auf den ersten Blick verblüffend aus: Zwar ist die Zahl der registrierten Arbeitslosen laut Bundesagentur für Arbeit (BA) im Juli gegenüber dem Vormonat um gut 52 000 auf 3,46 Millionen angestiegen. Um fast 50 000 war die Arbeitslosenzahl indes auch schon im Juli 2008 angestiegen - zu Zeiten, als von einem historischen Wirtschaftseinbruch noch keine Rede war. Und zu einer Zeit, als etwa die IG Metall gerade eine Lohnforderung von acht Prozent für die bevorstehende Metall-Tarifrunde 2008 formulierte.

Ein leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit im Sommer ist durchaus saisonüblich. Mit dem Halbjahrestermin 30. Juni laufen stets überdurchschnittlich viele Arbeitsverhältnisse aus, neue Arbeitsverträge beginnen dagegen oft erst nach den Sommermonaten. Für entsprechende Überraschung sorgte die aktuelle Arbeitslosenzahl daher auch bei Volkswirten. Sie hatten überwiegend einen doppelt so starken Anstieg erwartet.

Dass die Statistik keinen sichtbaren Krisenaufschlag enthält, lässt sich im Kern nur damit erklären, dass die Industrie nach wie vor in großem Stil auf Kurzarbeit setzt. Zwar kann die BA die Zahl der Kurzarbeiter stets erst mit Verzögerung genau ermitteln. Nach Schätzung von BA-Chef Frank-Jürgen Weise dürfte sie aber schon bis Ende Juni auf etwa 1,4 Millionen angestiegen sein. Das wäre fast ein Drittel mehr als zum Ende des ersten Quartals. Und im Juli dürfte sie demnach weiter gestiegen sein.

Für die Regierung ist dies insofern eine ermutigende Nachricht, als sie gerade kurz vor der Sommerpause eine weitere Lockerung der Kurzarbeitergeld-Regeln beschlossen hatte. Zum einen hatte sie die maximale Bezugsdauer von 18 auf 24 Monate verlängert. Zum anderen werden nun vom siebten Monat der Kurzarbeit an keine Sozialbeiträge mehr fällig. Zuvor hatten die Arbeitgeber für Kurzarbeiter jeweils den halben Abgabensatz, bezogen auf 80 Prozent des normalen Lohns, tragen müssen.

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