Arbeitslosenzahlen
Obamas große Job-Depression

Die US-Wirtschaft kommt einfach nicht auf die Beine: Kaum Wachstum und der Arbeitsmarkt ist eingefroren, wie die neuesten Zahlen zeigen. Verantwortlich gemacht wird Präsident Obama. Für ihn wird es immer enger.
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WashingtonUnd wieder eine schlechte Nachricht. Nachdem die Regierung erst ihre eigene Wachstumsprognose kassieren musste, gab es am Freitag eine neue Hiobsbotschaft vom Arbeitsmarkt: Die Zahl der Arbeitplätze blieb im August überraschend unverändert. Auch die Arbeitslosenquote verharrte bei 9,1 Prozent, wie das US-Arbeitsministerium mitteilte.  

Für das Weiße Haus ein „nicht zu akzeptierendes hohes Niveau“, wie es eilig hieß. Und für US-Präsident Barack Obama eine Katastrophe: Der dümpelnde Arbeitsmarkt ist Obamas dümpelnder Arbeitsmarkt. Und bereits jetzt ist der Präsident in den Umfragen schwer angeschlagen, Der Wahlkampf ist hart, und er dreht sich diesmal fast ausschließlich um Jobs.

Der neueste Arbeitsmarktbericht sei „ein weiterer Beweis dafür, dass Präsident Obama versagt hat“, triumphierte am Freitag der republikanische Präsidentschafts-Bewerber Mitt Romney. Laut einer Umfrage der Universität Quinnipiac trauen inzwischen mehr Amerikaner dem ehemaligen Gouverneur von Massachusetts zu, die Wirtschaft in Gang zu bekommen, als dem Präsidenten. Die Arbeitslosenquote von 9,1 Prozent ist für Obama eine schwere Last. Dass sich an der Zahl bald  etwas ändern wird, glaubt noch nicht einmal die Regierung selbst. Ihren jüngsten Prognosen nach werde sich die Quote auch bis ins kommende Jahr nicht wesentlich ändern. Es ist das Jahr des Präsidentschaftswahlkampfes.

Deshalb sucht Obama die Flucht nach vorn: In einer großen Rede vor dem Kongress am nächsten Donnerstag will er seine Pläne verkünden, „wie wir Amerika zurück an die Arbeit bekommen“. Nach Medienberichten plant Obama unter anderem Steuervergünstigungen für Unternehmen, Änderungen bei der Arbeitslosenversicherung sowie Ausgaben für Infrastrukturprojekte.

Obamas Sprecher Jay Carney hatte kürzlich bereits angekündigt, dass die Schritte die Arbeitslosenquote unter neun Prozent drücken würden. Genauer wollte er es allerdings lieber nicht sagen. Wirtschaftsberater Gene Sperling erwartet eine „signifikante Wirkung“. „Keine Frage, wir brauchen ein stärkeres Jobwachstum, überhaupt ein stärkeres Wachstum“, sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg.

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Spannung vor dem Treffen der US-Notenbank

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  • Man kann es in einem Satz zusammenfassen: Ein schwaches Amerika hat einen schwachen Präsidenten. Da hilft auch kein Friedensnobelpreis... 11 - 12% Anteil am BIP für das produzierende Gewerbe ist einfach zu wenig. Konjunkturprogramme die nur der Finanzwirtschaft nutzen auch. Sehr gut recherchiert shadowstats.com die Arbeitslosenquote. Dort liegt sie bei über 22% und damit auf dem Niveau der Großen Depression seit 1929. Selbst Gallup kommt auf 16%. Interessant auch, dass die monatlichen Zahlen über neue Jobs regelmäßig nach unten korrigiert werden. D. h. im vergangenen Monat ist es tatsächlich ein Minus. Nur am Rande: Die deutschen Arbeitlosenzahlen sind auch nichts wert. Zieht man alle Bereiche zusammen, so kommt man auf knapp 9 Mio. statt der offiziellen 3 Mio. Es gäbe noch viele andere Beispiele für virtuose Zahlenspielereien hüben wie drüben.

  • Eine Bitte an die Redaktion.
    Zunächst vielen Dank, dass sie diese Plattform zur Verfügung stellen. Ich möchte dennoch auf einen Punkt hinweisen. Als Wirtschaftszeitung sollten sie die US-Zahlen zur Arbeitslosigkeit auch korrekt benennen. Die veröffentlichte Zahl zur Arbeitslosigkeit ist die Erwerbslosenquote und nicht zu verwechseln mit der hiesigen Arbeitlosenquote. Diese Zahlen sind nicht vergleichbar. Eine, wenigstens im Ansatz vergleichbare Zahl, ist die ebenfalls von den USA veröffentlichte U6-Zahl. Diese liegt bei ca. 15%.

  • Die realwirtschaftlichen Probleme der USA sind struktureller Natur. Sie sind in der Vergangenheit über mehr als 10 Jahre hinweg entstanden und angewachsen. Sie wurden allerdings durch eine übermäßige Verschuldung verdeckt.

    Obama ist nicht für den Zustand verantwortlich zu machen, er steht jedoch den Schwierigkeiten ziemlich hilflos gegenüber.

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