Arbeitslosigkeit
Kurzarbeit überdeckt die Krise

In der Wirtschaft wächst die Angst vor dem Herbst. Noch versuchen viele Unternehmen, mit harten Sparprogrammen und Kurzarbeit die schlimmsten Folgen der Wirtschaftskrise abzufedern. Doch die dramatisch sinkende Auftragseingänge lassen Verschärfung der Arbeitslosigkeit erwarten. Eine Reihe deutscher Konzerne zerstörte am Donnerstag Hoffnungen auf eine Belebung im zweiten Halbjahr.

BERLIN/DÜSSELDORF. Die weiter dramatisch einbrechenden Auftragseingänge in zahlreichen Branchen zeigen, dass der Spielraum für die Konzerne immer enger wird. Eine Reihe großer Konzerne zerstörte am Donnerstag Hoffnungen auf eine Belebung im zweiten Halbjahr. "Die Nachfrageschwäche wird sich fortsetzen", teilte die Deutsche Lufthansa am Donnerstag mit. Nach einem Verlust in der ersten Jahreshälfte stellt sich die größte deutsche Fluggesellschaft auf ein schwieriges Restjahr ein. Ähnlich ist das Bild in der exportorientierten Industrie: Eine Trendwende sei derzeit nicht in Sicht, sagte Håkan Samuelsson, Vorstandsvorsitzender das Lkw-Bauers MAN. Auch im Maschinenbau sind die Auftragseingänge im Juni erneut um 46 Prozent eingebrochen.

Umso mehr überraschten vor diesem Hintergrund zunächst die neuen Arbeitsmarktdaten: Entgegen den Erwartungen von Experten erhöhte sich die Zahl der registrierten Arbeitslosen im Juli kaum stärker als im gleichen Monat des Vorjahres. Sie stieg nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) um 52 000 auf nun 3,46 Millionen. Das sind zwar gut 250 000 Arbeitslose mehr als zwölf Monate zuvor. Doch gegenüber Juni hat sich der Abstand zum Vorjahr damit praktisch nicht vergrößert.

Die Erklärung für die unvermutet günstige Entwicklung liefert jedoch "vor allem die starke Nutzung der Kurzarbeit", wie die BA unterstreicht. Dass die Auswirkungen der Rezession am Arbeitsmarkt noch nicht deutlicher zu spüren sind, lässt daher nicht auf eine grundsätzlich verbesserte Perspektive für den weiteren Jahresverlauf schließen. In den kommenden Monaten würden die "Belastungen ansteigen", warnte BA-Chef Weise.

Nach ersten Schätzungen waren Ende Juni insgesamt 1,4 Millionen Arbeitnehmer auf Kurzarbeit. Bei einem durchschnittlichen Arbeitsausfall von gut einem Drittel der Normalarbeitszeit würde dies rechnerisch bedeuten, dass das tatsächliche Ausmaß der Unterbeschäftigung derzeit um mehr als 400 000 Arbeitslose unterzeichnet wird.

Sollten die Unternehmen bei anhaltend trüben Geschäftsaussichten demnächst verstärkt von Kurzarbeit auf Entlassungen umschalten, könnte daher gerade wegen der aktuell eher langsam steigenden Arbeitslosenzahlen eine umso massivere Trendwende folgen. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hatte bereits in der vergangenen Woche gewarnt, die bisher betriebene Beschäftigungssicherung gehe für immer mehr Unternehmen an die Substanz.

Hatten Anleger und Analysten sich bereits auf herbe Ertragseinbrüche der Unternehmen eingestellt, so schockieren nun zusätzlich die ungebremst sinkenden Neuaufträge und düsteren Ausblicke. Bei MAN etwa schrumpfte das operative Ergebnis um fast drei Viertel. Selbst damit erfüllten die Münchener noch die Prognosen - nicht jedoch mit der überraschenden Mitteilung, dass die Auftragseingänge um 45 Prozent auf nur noch 2,3 Mrd. Euro nachgaben.

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