Arbeitsmarkt
Ansturm auf Kurzarbeit lässt nach

Kleiner Lichtblick auf dem Arbeitsmarkt: Der ganz große Ansturm von Unternehmen auf Kurzarbeit, mit der Firmen die Auftragsflaute überbrücken wollen, hat im April nachgelassen. Im Vergleich zum Vormonat ging bei den Arbeitsagenturen ein Drittel weniger Anzeigen für Kurzarbeit ein.

HB BERLIN. Gut 19 400 Betriebe kündigten für rund 446 400 Beschäftigte die Zwangspause an, wie die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch mitteilte. Damit haben seit Januar über 70 000 Betriebe für 2,1 Mio. Arbeitnehmer wegen der Wirtschaftskrise Kurzarbeit angekündigt.

Die Zahl der Beschäftigten, deren Arbeitgeber Zuflucht in der Kurzarbeit suchen, wächst somit langsamer als bisher. Im März hatte die BA 665 000 und im Februar 699 000 neue Anzeigen verzeichnet. Der Höhepunkt bei den monatlichen Anmeldungen könnte nach Einschätzung aus der BA überschritten sein. Dies dürfte jedoch kein Zeichen der Entspannung sein. In der BA wurde darauf verwiesen, dass das Potenzial für Kurzarbeit begrenzt sei. Jeder Betrieb muss nur einmal Kurzarbeit anzeigen, unabhängig davon, ob er im Januar oder erst im April kurzarbeiten lässt. Die Masse der Unternehmen, die sich auf Kurzarbeit einstellen, dürfte dies inzwischen angekündigt haben.

Die höchste Zahl neuer Anzeigen kam im April aus den Metallbranchen: Der Maschinenbau zeigte für 63 000 Beschäftigte Kurzarbeit an, die Automobilindustrie für 49 000 und Firmen in der Herstellung von Metallprodukten für 42 000. Die vorsorglichen Anzeigen bilden eine rechnerische Obergrenze. Bislang ist offen, wie viele davon tatsächlich kurzgearbeitet haben. Verlässliche Zahlen dazu will die BA erst Ende Mai mitteilen. Nach ersten BA-Schätzungen, die vorige Woche veröffentlicht wurden, haben im April etwa 1,4 Mio. Arbeitnehmer kurzgearbeitet. Legt man dabei zugrunde, dass etwa ein Drittel ihrer Arbeitszeit ausfällt, entspräche dies etwa 450 000 Vollzeitarbeitskräften, die ansonsten arbeitslos wären.

Die Bundesregierung hat die Firmen ausdrücklich ermuntert, auf Kurzarbeit statt auf Entlassungen zu setzen. Sie verbindet dies mit finanziellen Anreizen. Das Kabinett will kommenden Mittwoch eine weitere Kostenentlastung für die Unternehmen beschließen. Bei Kurzarbeit soll die BA vom siebten Monat an die Sozialabgaben für den Kurzarbeitanteil vollständig statt bisher nur zur Hälfte übernehmen. Zudem wird die Zahldauer des Kurzarbeitergeldes von 18 auf bis zu 24 Monate ausgeweitet. Mit Kurzarbeit können Betriebe in schwierigen Zeiten Entlassungen vorerst vermeiden. Die Bundesagentur übernimmt dabei 60 Prozent (bei Arbeitnehmern mit Kindern 67 Prozent) des durch Kurzarbeit ausfallenden Nettolohns.

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