Arbeitsmarkt
Behörde widerspricht Deutsche-Bank-Ökonom

Wie wird sich der weitere Verlauf der Wirtschafts- und Finanzkrise auf den deutschen Arbeitsmarkt auswirken? Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank erwartet zur Jahreswende 2010/2011 ein Anstieg in Richtung der Negativrekorde aus Zeiten der Hartz-IV-Reform, was das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung für „relativ unwahrscheinlich“ hält.

HB BERLIN. „Die Arbeitslosenzahl wird im Winter 2010 über fünf Mio. steigen“, sagte der Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter der „Bild“-Zeitung. Eine Wende werde es erst im Frühjahr 2011 geben, wenn die Wintermonate überstanden seien. Arbeitsmarktforscher äußern sich zurückhaltender. Sie halten fünf Mio. Arbeitslose im Jahr 2010 für unwahrscheinlich, schließen dies aber für den Jahresanfang 2011 nicht aus.

„Selbst bei einer ungünstigen Variante mit einer roten Null beim Wirtschaftswachstum halte ich das Erreichen der Marke von fünf Mio. Arbeitslosen im Jahr 2010 für relativ unwahrscheinlich“, sagte der Vizedirektor des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Ulrich Walwei, der Nachrichtenagentur Reuters. Die eigentliche Winterarbeitslosigkeit mit einem saisonbedingten Anstieg um etwa 200 000 bis 250 000 Arbeitslose komme erst später. Für den Jahresanfang 2011 liege die Fünf-Millionen-Marke daher im Bereich des Möglichen. „Wenn wir irgendwo bei 4,7 oder 4,8 Mio. Arbeitslosen liegen als Höchststand im Verlauf von 2010, dann sind wir davon nicht soweit entfernt“, sagte Walwei.

Der Arbeitsmarktforscher verwies aber darauf, dass die Schätzungen mit großen Unsicherheiten behaftet seien. Niemand könne genau sagen, wie sich die Wirtschaft entwickle oder in welchem Umfang Unternehmen dann noch von entlastenden Instrumenten wie der Kurzarbeit Gebrauch machten. Zudem werde der Arbeitsmarkt durch ein zurückgehendes Angebot an Arbeitskräften entlastet. Ein Beschäftigungsrückgang schlage sich daher nicht eins zu eins in einem Anstieg der Arbeitslosigkeit nieder.

Walter hatte Ende 2008 Schlagzeilen gemacht, weil er für 2009 einen Einbruch des Wirtschaftswachstums von vier Prozent vorhersagte und dies Anfang 2009 gar auf fünf Prozent erhöhte. Die düstere Prognose entfachte damals scharfe Kritik bei Kollegen und Politikern, wurde aber von der Realität sogar noch überholt. Inzwischen geht selbst die Bundesregierung von einem Wachstumsrückgang um sechs Prozent aus.

Das Erreichen der Fünf-Millionen-Marke noch 2010 würde bedeuten, dass die Arbeitslosenzahl innerhalb von gut eineinhalb Jahren um mehr als 1,5 Mio. noch oben ginge. Im Mai wurden 3,46 Mio. Arbeitslose registriert. Alle Experten erwarten aber, dass die Erwerbslosigkeit in diesem Herbst deutlich steigt. Erst dann erreiche die Wirtschaftskrise den Arbeitsmarkt mit voller Wucht, weil die Unternehmen Auftragseinbrüche nicht mehr im gleichen Umfang wie bisher mit Kurzarbeit oder dem Abbau von Arbeitszeitkonten auffangen könnten. Die höchste Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik wurde im Februar 2005 mit knapp 5,3 Mio. Erwerbslosen verzeichnet.

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