Arbeitsmarkt
Bundesagentur sieht keinen Fachkräftemangel

Der IT-Branchenverband Bitkom hat die Debatte um einen Fachkräftemangel in Deutschland noch einmal angeheizt: „Dramatisch verschärft“ habe sich die Lage, eine Wachstumsbremse entstehe da. Merkwürdig nur, dass die Bundesagentur für Arbeit das Problem herunterspielt.

HB NÜRNBERG. BA-Vorstand Raimund Becker sagte am Donnerstag in Nürnberg bei der Vorstellung der Arbeitsmarktdaten für Juni, nach Einschätzung seiner Behörde gebe es derzeit noch keinen generellen Fachkräftemangel. Zwar träten regional begrenzt etwa in Baden-Württemberg und in einzelnen Branchen wie der Elektro- und Metallindustrie Engpässe auf. Den von den Industrieverbänden genannten Bedarf von 40 000 bis 50 000 zusätzlichen Ingenieuren habe die BA aber nicht ermittelt. Sie komme auf nur 12 000 offene Stellen.

Um einem allgemeinen Fachkräftemangel vorzubeugen, seien die Betriebe aufgefordert, mehr auszubilden, sagte Becker. Sie müssten zudem stärker ältere Arbeitnehmer einstellen und dafür sorgen, dass diese durch entsprechende betriebliche Gesundheitsvorsorge auch bis zum Renteneintrittsalter mit 67 Jahren arbeiten könnten. Eine Möglichkeit sei auch, das Erwerbspotenzial von Frauen besser auszuschöpfen. Hierzu gehöre eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Auch einen dringenden Bedarf für Fachkräfte aus dem Ausland sieht die Bundesagentur nicht. „Wir haben viele, viele Möglichkeiten, unser internes Potenzial zu nutzen“, sagte . Zuwanderung sei nur eine Möglichkeit von vielen, der Fachkräfteknappheit zu begegnen. „Sie ist aber kein Allheilmittel“, betonte Becker.

Der Wirtschaftsverband Bitkom hatte allein für die IT-Branche am Donnerstag einen Bedarf an 20 000 Fachkräften gemeldet. Laut einer aktuellen Umfrage unter Mitgliedsunternehmen sähen 59 Prozent der befragten Unternehmen durch den Fachkräftemangel ihre Geschäftstätigkeit behindert. Das sei der höchste Wert seit dem Start der Befragung im Jahr 2001. Der Fachkräftemangel entwickele sich zur Wachstumsbremse für die Hightech-Industrie in Deutschland. Der Verband sprach sich für eine Reform des Zuwanderungsgesetzes aus.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder hatte im Handelsblatt angekündigt, dass die große Koalition nach Angaben von Unionsfraktionschef Volker Kauder im Herbst Lösungen für den sich angeblich verstärkenden Facharbeitermangel vorlegen werde. Dabei solle eine verbesserte Ausbildung von Jugendlichen eindeutig Vorrang vor weiterer Zuwanderung haben, sagte Kauder. „Ich möchte nicht, dass es in der Wirtschaft zugeht wie bei vielen deutschen Fußballklubs: Daheim wenig ausbilden und die guten Spieler im Ausland einkaufen“, sagte Kauder.

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