Arbeitsmarkt
Erste positive Signale aus Madrid und Athen

Spanien und Griechenland melden überraschend positive Zahlen vom Arbeitsmarkt. Madrid sieht den größten Rückgang der Arbeitslosigkeit seit 16 Jahren. Und auch das krisengeplagte Athen schöpft ein wenig Hoffnung.
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MadridKleiner Lichtblick für das krisengeplagte Spanien: Die Zahl der Arbeitslosen sank im Mai um fast zwei Prozent oder 98.265 im Vergleich zum Vormonat, wie das Arbeitsministerium am Dienstag in Madrid mitteilte. Damit hatten 4,89 Millionen Spanier keinen Job. "Das sind die besten Daten, die wir seit Beginn der Krise gesehen haben", sagte Industrieminister Jose Manuel Soria. Auch aus Griechenland kommen vorsichtige Hoffnungssignale.

In Spaniens Statistik taucht die Zahl der Langzeitarbeitslosen allerdings nicht auf. Werden saisonale Schwankungen wie die Effekte der einsetzenden Feriensaison ausgeklammert, verharrt die Arbeitslosenzahl praktisch auf dem Vormonatsniveau.

Der konservative Regierungschef Mariano Rajoy hatte bereits am Wochenende "eindeutig ermutigende" Zahlen in Aussicht gestellt. "Die Daten als einsetzende Erholung am Arbeitsmarkt auszulegen, wäre jedoch zu weit gegriffen", betonte Ökonom Martin Van Vliet von der Bank ING. Im Mai und Juni fällt in Spanien üblicherweise die Arbeitslosenzahl, da in der beginnenden Urlaubszeit in Hotels und Gastronomie viele Saisonkräfte benötigt werden.

Zudem werden in der Landwirtschaft Erntehelfer in den Obstplantagen gesucht. Diese saisonalen Effekte lassen die offiziellen Arbeitslosenzahlen in besserem Licht erscheinen. Erwerbslose, die seit mehr als einem Jahr ohne Job sind, fallen hingegen aus der Statistik heraus. Spanien weist nach Griechenland die höchste Arbeitslosenquote in der Europäischen Union auf: 6,2 Millionen Spanier hatten im ersten Quartal keinen Job, was einer Quote von 27 Prozent entspricht.

Rajoy steht wegen der Arbeitsplatzmisere und der anhaltenden Rezession in der Kritik - auch im eigenen Lager. Der konservative Ex-Ministerpräsident Jose Maria Aznar forderte ihn auf, Steuern zu senken und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Aznars Amtszeit von 1996 bis 2004 ist vielen Spaniern als Phase wirtschaftlicher Blüte in Erinnerung geblieben. Allerdings fällt in diese Zeit auch der kräftige Immobilienboom, der Ende des Jahrzehnt zum Platzen einer Blase führte, wodurch Spanien in die Krise stürzte.

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Kommentare zu " Arbeitsmarkt: Erste positive Signale aus Madrid und Athen"

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  • Aufgepasst, Europa!
    Die Rettung kommt aus Lettland! Diese Zahlen beweisen, dass Lettland als Muster gilt, die Griechen und Spanier haben das verstanden. Erklärung gibt es hier zu lesen:
    http://www.annotazioni.de/post/1152

  • Und da ist sie, die wundersame Welt der Zahlen im Vorwahlkampf. Arbeitslose in GR und ES verschwinden aus der Statistik, weil sie z.B. in Rente gehen (Demographie!) oder aber gleich das Land verlassen. Einige Jobs sind sicher auch entstanden, weil der Mindestlohn im Privatsektor gesenkt wurde. Leben kann man davon nicht und so wohnen junge Leute und ganze Familien unfreiwillig bei den Großeltern und teilen sich deren Wohnung und Rente.

    Es ist nichts dagegen einzuwenden, öffentliche Verschwendung einzudämmen, überbesetzte Behörden zu schließen oder aber Vermögen und hohe Einkommen höher zu besteuern. Leider gibt es in diesen Bereichen starke Kräfte, die das zu verhindern wissen. Und so erhöhen die Regierungen munter indirekte Steuern, Lohnsteuern und Sozialabgaben für die kleinen Leute. Unternehmen zahlen immer lausigere Löhne und geben den Leuten (Teil-)Zeitverträge. Dass das alles die Nachfrage einbrechen lässt und langfristig die Demokratie gefährdet, scheint niemanden zu interessieren.

  • "Erste positive Signale aus Madrid und Athen"
    Ganz was neues? Das berichtet HB doch mindestens einmal wöchentlich.

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