Arbeitsmarkt
Institute halten sich mit neuen Prognosen zurück

Die stärkere Dynamik auf dem Arbeitsmarkt veranlasst Forschungsinstitute noch nicht, ihre Beschäftigungsprognosen für das laufende Jahr nach oben zu korrigieren. Für neue Prognosen wollen sie erst die weitere Entwicklung bis zum Herbstgutachten im Oktober abwarten.

DÜSSELDORF. Nach einer Umfrage des Handelsblatts bleiben die Institute, die am Frühjahrs- und Herbstgutachten beteiligt sind, vorsichtig, weil sich vor allem bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung noch kein eindeutiger Trend ablesen lässt. Für neue Prognosen wollen sie erst die weitere Entwicklung bis zum Herbstgutachten im Oktober abwarten. Denn der von der Bundesagentur für Arbeit (BA) für Mai erstmals seit langem gemeldete Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat um 54 000 oder 0,2 Prozent auf 26,23 Millionen könnte durch Sondereffekte wie die Fußballweltmeisterschaft und Aufholarbeiten am Bau nach dem sehr langen und harten Winter beeinflusst sein.

Die am Donnerstag veröffentlichte monatliche Umfrage unter Einkaufsmanagern im Dienstleistungsbereich spricht tatsächlich für einen Sondereffekt durch die WM. Wachstum und Beschäftigungsanstieg schwächten sich bei den deutschen Dienstleistern einschließlich Hotels und Gaststätten im Juli viel stärker ab als in der Euro-Zone insgesamt. Davor waren beide Werte für Deutschland im Juni überdurchschnittlich stark gestiegen. Bankvolkswirte sprachen deshalb von einem Zwischenhoch durch die WM.

Trotz ihrer Vorbehalte räumen die Konjunkturexperten in den Instituten ein, dass die Beschäftigungsentwicklung in den vergangenen Monaten deutlich günstiger ausfiel als bisher angenommen. Eine Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Jobs ist vor allem für die gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung bedeutsam, weil sich dadurch ihre Einnahmen erhöhen.

Gebhard Flaig, Konjunkturchef des Münchener Ifo-Instituts, wertet die bessere Beschäftigungsentwicklung als „Indiz dafür, dass die Unternehmen die weitere Entwicklung nicht pessimistisch, sondern zuversichtlich sehen, selbst wenn sich das Exportwachstum abschwächen sollte“. Nach seiner Einschätzung wird „die Binnennachfrage Anfang 2007 zwar wegen der Mehrwertsteuererhöhung einen Dämpfer erhalten, aber nicht einbrechen“. Für Eckhardt Wohlers, der die Konjunkturabteilung im Hamburgischen Weltwirtschaftsarchiv (HWWA) leitet, sind die besseren Beschäftigtenzahlen auch ein Zeichen dafür, dass die moderate Lohnentwicklung und Bereitschaft der Gewerkschaften zu Flexibilisierung „jetzt Früchte trägt“.

Laut Wohlers hat sich die „Bodenbildung“ auf dem Arbeitsmarkt bereits mit der Festigung der Konjunktur im vergangenen Jahr abgezeichnet. Diesen Eindruck unterstreichen die vor wenigen Tagen revidierten Erwerbstätigenzahlen des Statistischen Bundesamtes. Danach steigen sie saisonbereinigt bereits seit August 2005 wesentlich stärker als bisher geschätzt. Die revidierte Zahl der Erwerbstätigen für Mai ist mit 38,995 Millionen um 154 000 höher als noch vor einem Monat gemeldet. Sie übertrifft damit das Vorjahresniveau um gut 180  000 statt nur um knapp 50  000.

Schon dies dürfte Revisionsbedarf bei den Arbeitsmarktprognosen der Institute auslösen. Bislang nehmen sie für 2006 an, dass die Erwerbstätigenzahl im Jahresdurchschnitt um weniger als 100  000 steigt. Unterstellt ist zwar, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ab dem zweiten Quartal, spätestens im zweiten Halbjahr zunimmt. Im Jahresdurchschnitt würde dies jedoch nicht ausreichen, bei den regulären Jobs einen Rückgang zu verhindern. Erst 2007 erwarten die Institute laut Frühjahrsgutachten einen Zuwachs von rund 100  000. Ifo und das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) haben diese Einschätzung im Juni bestätigt.

Ob sich der für Mai gemeldete Anstieg der regulären Beschäftigung als nachhaltig erweist, ist noch unklar. Herbert Buscher vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sagte, aus einem Monatswert lasse sich noch kein Trend ableiten. Dazu müsse sich diese Entwicklung in den nächsten Monaten stabilisieren. Überzeichnet sein könnten die Mai-Zahlen, weil Personalmehrbedarf durch die WM auch mit Hilfe befristeter beitragspflichtiger Stellen gedeckt worden sein dürfte. Dieser Effekt gilt allerdings auch für die Juni-Zahlen, deren Hochrechnung die BA Ende August vorlegt. Bis zum Herbstgutachten wird es damit knapp, einen klaren Trend zu erkennen.

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