Arbeitsmarkt
Krise: Wie viele ihren Job verlieren werden

Die Finanz- und Wirtschaftskrise wird in Deutschland viele Jobs kosten. Darüber sind sich Politiker, Wirtschaftsführer und Ökonomen einig. Doch wie drastisch der Arbeitsmarkt tatsächlich schrumpfen wird, darüber gehen die Prognosen deutlich auseinander.

DÜSSELDORF. Die Bundesregierung präsentiert sich derzeit vergleichsweise optimistisch. Sie geht davon aus, dass in diesem Jahr durchschnittlich 250 000 Menschen mehr arbeitslos werden als im Jahr 2008. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, hält bei einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um vier Prozent auch 500 000 bis 700 000 Arbeitslose mehr für möglich. Pessimistisch zeigt sich das Kieler Institut für Weltwirtschaft und erwartet gar, dass die Zahl der Arbeitslosen am Ende des Jahres um rund 750 000 Personen höher liegen wird als ein Jahr zuvor. Doch welche Prognose ist nun realistisch?

„Zunächst einmal sollte klar sein wovon die Rede ist“, sagt Hilmar Schneider, Direktor für Arbeitsmarktpolitik am Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA). Sinnvoll sei nur der Vergleich von Jahresdurchschnitten, nicht der Vergleich von Jahresende mit Jahresanfang. Laut Schneider geht die pessimistischste Prognose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute derzeit von einem Anstieg auf 3,7 Millionen. Arbeitslose aus, die meisten liegen eher bei 3,5 Millionen. Das entspreche einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr von 300 000 bis 500 000. „Das ist schon ziemlich viel, wenn man bedenkt, dass wir augenblicklich ja immer noch um fast 200 000 unter dem Wert des Vorjahresmonats liegen“, meint der Arbeitsmarktforscher. Dass der Anstieg noch stärker ausfällt als derzeit prognostiziert, kann sich Schneider deshalb nicht vorstellen.

Wie sehr Einschätzungen danebenliegen können, zeigt unter anderem das Beispiel von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD). Vor gut einem Jahr blickte er zufrieden auf die Arbeitmarktdaten und verkündete, Deutschland werde weiter auf Wachstumskurs bleiben: „Trotz Bankenkrise und Nokia-Schließung können wir weiter zuversichtlich sein: Der Aufschwung am Arbeitsmarkt hält an. Es gibt einen robusten Aufwärtstrend.“

Einer aktuellen Studie der Managementberatung Kienbaum zufolge will nun knapp ein Drittel der deutschen Unternehmen mit einem Stellenabbau auf die Wirtschaftskrise reagieren. Die Befragung unter 500 Unternehmen aller Größen und Branchen zur Personalkostenreduzierung ergab: Sachbearbeiter, Produktionsmitarbeiter und Hilfsarbeiter wären am stärksten von den Abbau-Plänen betroffen. Auch Führungskräfte kämen nicht ungeschoren davon. Nach Einschätzung von IZA-Experte Schneider trifft der Stellenabbau momentan vor allem die exportorientierten Branchen. Der Ökonom sieht Entlassungen jedoch weniger als branchenspezifisches Problem als als eine Frage des Arbeitsverhältnisses. Zeitarbeiter, Menschen mit befristeten Arbeitsverträgen und Selbständige sind demnach eher gefährdet als Arbeitnehmer mit unbefristetem Arbeitsvertrag. „Das heißt, die Risiken sind ungleich verteilt. Je besser die einen geschützt sind, desto gravierender sind die Folgen für die anderen“, sagt Schneider.

Dass die staatlichen Konjunkturpakete ein starkes Ansteigen der Arbeitslosenzahl verhindern können, beurteilen Ökonomen indes skeptisch. Norbert Berthold, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg, Experte für Sozialpolitik und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium beschreibt im ordnungspolitischen Blog „Wirtschaftliche Freiheit“ das Problem:

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