Arbeitsmarkt
Kurzarbeit rettet Jobs über den Herbst

Der vielfach befürchtete drastische Anstieg der Arbeitslosigkeit zögert sich hinaus. Trotz miserabler Auftragslage wollen viele Unternehmen ihre Beschäftigten auch nach den Werksferien in großem Umfang mit Kurzarbeit halten.

BERLIN / DÜSSELDORF. Die Sommermonate galten stets als besonders kritische Phase für den Arbeitsmarkt – nach dem starken Boom der Kurzarbeit im Frühjahr setzt die Ferienzeit eine Art natürliche Zäsur. Doch anders als vielfach befürchtet, gibt es bisher kaum Anzeichen, dass die Industrie deswegen nun unmittelbar im großen Stil von Kurzarbeit auf Entlassungen umschalten wird. Nach Recherchen des Handelsblatts haben sich vielmehr zahlreiche große Unternehmen bereits darauf eingestellt, die Kurzarbeit nach den Werksferien wieder hochzufahren.

So waren beim Mischkonzern Siemens zuletzt 19 000 Beschäftigte an deutschen Standorten in Kurzarbeit. In der Ferienzeit sinkt die Zahl um 4 000. Danach rechnet Finanzchef Joe Kaeser aber wieder mit einem Anstieg. „Am Ende des Tages entscheidet der Kunde mit seinen Aufträgen, wie wir die Kurzarbeit anpassen müssen.“ Zwar haben die Münchener den Abbau von rund 1 600 Arbeitsplätzen angekündigt. Betroffen sind aber vorwiegend Standorte im Ausland.

Auf Kurzarbeit statt Kündigungen setzt auch der Lkw-Bauer MAN. 12 000 Mitarbeiter in der Produktion und weitere 5 400 Angestellte in der Verwaltung und im Stab arbeiten derzeit kurz. Das sind gut 60 Prozent aller Beschäftigten im Inland. Doch trotz einer nur 50-prozentigen Auslastung der Werke und einer miserablen Nachfrage schließt Konzernchef Hakan Samuelsson Kündigungen weiter aus. MAN werde die bis 2012 geltende Jobgarantie einhalten.

Dies sind insoweit gute Nachrichten, als ein Anstieg der Arbeitslosenzahl über die Marke von vier Millionen damit zumindest für dieses Jahr immer unwahrscheinlicher wird. Ein Rückgang der Kurzarbeiterzahlen im Sommer ist laut Bundesagentur für Arbeit (BA) typisch, weil Kurzarbeiter dann in den regulären bezahlten Urlaub gehen. Es ist daher aber noch kein Signal, dass Firmen ihr Zutrauen in die bisher praktizierte Beschäftigungssicherung verlieren.

Gestützt wird dieses Bild von der am Mittwoch veröffentlichten BA-Kurzarbeiterstatistik für Juli: Abweichend vom allgemeinen Trend wurden ausgerechnet aus dem besonders gebeutelten Maschinenbau wieder mehr Arbeitnehmer neu zur Kurzarbeit angemeldet. Nach 24 400 im Juni erreichte die Zahl wieder fast 32 700. Erst vor einer Woche hatte der Branchenverband VDMA zur Enttäuschung von Konjunkturbeobachtern gemeldet, dass das Auftragsvolumen im Maschinenbau im Juni erneut 46 Prozent unter Vorjahresniveau lag.

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