Arbeitsmarkt
Kurzarbeit steigt dramatisch an

Wegen der Wirtschaftskrise melden immer mehr Unternehmen vorsorglich Kurzarbeit für ihre Beschäftigten an. Jeder zweite Beschäftigte in der Automobilindustrie und in der Metallerzeugung ist inzwischen von der Zwangspause bedroht. Allein im März verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit 670 400 neue Anzeigen für Kurzarbeit aus konjunkturellen Gründen.

HB BERLIN. Seit Jahresanfang haben die Unternehmen damit für fast 1,7 Mio. Arbeitnehmer Kurzarbeit angemeldet, weil sie die Produktion zurückfahren. Betroffen davon sind vor allem der Maschinenbau sowie die Automobil- und Zulieferbetriebe. Die Bundesregierung hatte die Unternehmen ermuntert, mit Kurzarbeit in der Krise Entlassungen zu vermeiden. Ein Sprecher von Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) wertete die neuen Zahlen in diesem Sinne positiv. „Das zeigt, dass das Instrument der Kurzarbeit angenommen wird und die Unternehmen versuchen, gemeinsam mit ihren Mitarbeitern durch die Krise zu kommen.“

Trotz reduzierter Arbeitszeit und geringeren Lohnzahlungen können sich die Unternehmen Kurzarbeit allerdings nur für einen befristeten Zeitraum leisten. Besonders dramatisch ist die Lage für Autobauer und Metaller. In der Automobilindustrie wurde nach BA-Zahlen in den vergangenen zwölf Monaten für 420 000 Arbeitnehmer oder 51,6 Prozent der sozialabgabenpflichtig Beschäftigten Kurzarbeit angezeigt. In der Metallerzeugung und -bearbeitung waren es 160 000 oder 48,2 Prozent der Beschäftigten. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, sieht daher die Grenzen der Kurzarbeit nahen. Die wirtschaftlichen Kennzahlen der Branche befänden sich im Sturzflug, sagte Kannegiesser dem Handelsblatt. Der Erhalt von Arbeitsplätzen etwa per Kurzarbeit habe zwar hohe Priorität. „Das kann aber nur Überbrückung sein, welche die meisten Betriebe kaum zwölf oder 18 Monate in großem Stil durchhalten können.“ Der Verband nimmt nun verstärkt Instrumente ins Visier, die einen Arbeitsplatzabbau abfedern können, wenn die Pufferfunktion der Kurzarbeit ausgereizt ist. Laut Kannegiesser prüft Gesamtmetall daher den Ausbau von Transfergesellschaften.

Insgesamt zeigten im März 24 000 Betriebe Kurzarbeit an. Das waren 7 200 mehr als im Februar. Die Zahl der Beschäftigten, für die Kurzarbeit neu angezeigt wurde, ging von Februar auf März um 28 500 zurück, legte im Vergleich zum März 2008 aber um 658 200 zu. Das war mehr als das 50-fache der Anzeigen vor einem Jahr. Seit Oktober, als die Finanz- und Wirtschaftskrise den Arbeitsmarkt erreicht hatte, gingen bei der BA rund 2,15 Mio. Anzeigen für Kurzarbeit ein. Im März schnellte vor allem die Zahl der Anzeigen aus der Zeitarbeitsbranche nach oben. Dort kamen im März 43 000 Anzeigen hinzu auf nunmehr insgesamt 69 000 seit November. Damit ist fast jeder zehnte Zeitarbeiter betroffen.

Die Anzeigen bilden rechnerisch die Obergrenze für die Inanspruchnahme der Kurzarbeit. Wie viele Beschäftigte davon tatsächlich kurzgearbeitet haben, bleibt offen. Zahlen dazu legt die BA Ende Mai für das erste Vierteljahr vor. Ein Teil der Lohneinbußen in der Zwangspause wird von der Arbeitslosenversicherung ausgeglichen. Kurzarbeiter bekommen 60 Prozent (mit Kindern 67 Prozent) des ausgefallenen Nettolohns von der BA erstattet.

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