Arbeitsmarkt
Merkel will Kurzarbeit-Regelung verlängern

Die Bundesregierung will die Kurzarbeiter-Regelung für die Wirtschaft um ein Jahr bis Ende 2010 verlängern. Kanzlerin Merkel hat sich am Dienstag einem entsprechenden Vorschlag von Bundesarbeitsminister Franz Josef Jung angeschlossen. Unterdessen bauen die Unternehmen einer Studie zufolge immer mehr Vollzeitjobs ab.
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HB NÜRNBERG/BERLIN/HALLE. Eine Verlängerung der Kurzarbeiter-Regelung könne sich Merkel gut vorstellen, sagte Bundeskanzlerin Merkel (CDU) am Dienstag auf dem Arbeitgebertag in Berlin. Jedoch soll die Bezugsdauer von 24 auf 18 Monate reduziert werden. Dies hatte schon Arbeitsminister Franz Josef Jung (CDU) angedeutet.

Die Verlängerung soll nächste Woche im Kabinett abgesegnet werden. Unternehmen könnten dann bis Ende 2010 einen Antrag auf Kurzarbeit für ihre Mitarbeiter stellen. Die Regelung hat sich in der Krise gut bewährt. Weit über eine Million Arbeitnehmer arbeiten derzeit kurz. Die hohe Inanspruchnahme der Kurzarbeit ist mitverantwortlich dafür, dass sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit in Deutschland trotz Wirtschaftskrise bisher in Grenzen gehalten hat.

Kurzarbeit wird für Arbeitgeber teurer

Die Kurzarbeit wird für Arbeitgeber ab dem Jahr 2011 deutlich teurer. Sie müssen dann für die Sozialbeiträge auf das Kurzarbeitergeld wieder in voller Höhe selbst aufkommen. Die Erstattung der Sozialbeiträge durch die Bundesagentur für Arbeit (BA) laufe Ende 2010 definitiv aus, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag aus Kreisen der Bundesregierung. Dies gehe aus der Verordnung von Arbeitsminister Franz Josef Jung (CDU) hervor, die das Kabinett am Mittwoch billigen solle. Diese ermögliche nur, dass das Kurzarbeitergeld im kommenden Jahr bei neu beantragter Kurzarbeit bis zu 18 Monate gezahlt werden könne. Die Erstattung der Sozialbeiträge bleibe aber bis 31. Dezember 2010 befristet.

Das Handwerk stellt sich gegen Pläne der Bundesregierung. „Es besteht die Gefahr, dass die Unternehmen dies als Signal für eine Dauersubventionierung missverstehen“, erklärte der designierte Generalsekretär des Zentralverbandes des Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke, am Dienstag in Berlin. Eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes im Block für volle 18 Monate lehne das Handwerk daher ab. Besser sei es, eine notwendige Verlängerung auf jeweils sechs Monate zu begrenzen.

Vollzeitbeschäftigte von Krise stärker betroffen

Einer am Dienstag veröffentlichten Studie zufolge, sind Vollzeitbeschäftigte stärker von der Krise betroffen als Teilzeitkräfte. Während die Zahl der Vollbeschäftigten im dritten Quartal 2009 deutlich im Vergleich zum Vorjahr zurückging, nahm die Teilzeitbeschäftigung sogar zu. Im dritten Quartal 2009 nahm ihre Zahl um 1,3 Prozent ab, während die Teilzeitbeschäftigung sogar 1,9 Prozent über dem Stand des Vorjahres lag. Das ermittelten Forscher der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit. Gleichzeitig fiel die Zahl der Kurzarbeiter spürbar, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Dienstag mitteilte.

Nach den Angaben der Wissenschaftler nahm der Rückgang der Vollzeitarbeit zu: Im zweiten Quartal lag die Beschäftigtenzahl nur 0,8 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Vollzeitbeschäftigten hingen stärker als die Teilzeitbeschäftigten von der Konjunktur ab, erklärten die Nürnberger Arbeitsmarktforscher. In den vom Konjunktureinbruch stark betroffenen Branchen der Industrie sei Teilzeit vergleichsweise wenig verbreitet, in den bislang weitgehend verschonten Bereichen privater, sozialer und öffentlicher Dienstleistungen dagegen liege der Teilzeitanteil deutlich höher.

Flexible Arbeitszeiten und Kurzarbeit hätten zwar auch im dritten Quartal die Wucht der Wirtschaftskrise am deutschen Arbeitsmarkt abgefangen, allerdings nicht mehr so stark wie in den beiden vorhergehenden Quartalen, erklärte das IAB. Die Zahl der Kurzarbeiter fiel im Monatsdurchschnitt des dritten Quartals schätzungsweise auf rund 1,15 Millionen. Im zweiten Quartal lag der Durchschnitt noch bei knapp 1,5 Millionen.

Arbeitszeit weniger stark zurückgegangen

Im Ganzen wurden im dritten Quartal 2009 je Erwerbstätigen 351,5 Arbeitsstunden geleistet, 12,1 Stunden oder 3,3 Prozent weniger als im dritten Quartal 2008. Der Rückgang der Arbeitszeit war damit merklich schwächer als im zweiten Quartal (minus 17,9 Stunden oder 5,2 Prozent).

Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen - die Summe aller geleisteten bezahlten Arbeitsstunden - schrumpfte mit 3,5 Prozent stärker als die Arbeitszeit. Grund dafür ist, dass die Zahl der Erwerbstätigen im dritten Quartal mit einem Rückgang um 0,2 Prozent erstmals seit vier Jahren unter dem Vorjahresniveau lag.

Die Arbeitnehmer leisteten wöchentlich knapp 0,7 bezahlte Überstunden, gut 0,2 Stunden weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Krankenstandsquote war mit rund 3,3 Prozent auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahresquartal.

IWH: Weniger Beschäftigte in Ostdeutschland

Die Zahl der Erwerbstätigen in Ostdeutschland ist laut einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) gesunken. Gab es im Durchschnitt des Jahres 2009 etwa 5,7 Mio. Beschäftigte, waren es 2008 noch 63 000 mehr, wie das Institut am Dienstag in Halle mitteilte. 2010 wird die Zahl der Erwerbstätigen demnach noch einmal um 70 000 Personen zurückgehen. In den neuen Ländern gibt es 910 000 registrierte Arbeitslose - dies wird nach IWH-Angaben etwa so bleiben. Grund ist der starke Rückgang der Zahl von Arbeitssuchenden. Die Arbeitslosenquote wird von 13,7 Prozent in diesem Jahr auf 13,9 Prozent im kommenden Jahr steigen.

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  • Die Regierung unterstützt große Unternehmen,
    für eigene Zwecke.
    (Kurzarbeiter-Geld)

    benachteiligt werden damit alle die nicht in einem Arbeitsverhältnis stehen !!!
    (und somit nicht von dieser staatlichen Stütze profitieren.)

    Anstatt daß die noch priviligierten Arbeitnehmer mit der Realität der harten Anforderungen an Hartz 4 Antragssteller oder (nicht wenige!) Nicht-Antragsteller konfrontiert werden,
    manipuliert
    die bUNDESREGiERUNG diese Menschen mit dieser Maßnahme.
    Die Arbeitnehmerschaft soll auf Regierungslinie gehalten werden.

    Das dient ausschliesslich der eigenen Absicherung.
    Die Unterschicht (überwiegend Ausländer) soll noch mehr belastet werden,
    und im Falle von Auseinandersetzungen
    herhalten bzw. gegebenenfalls vernichtet werden.

  • Die Regierung unterstützt große Unternehmen,

    (Kurzarbeiter-Geld) deren Angestellten usw.,
    und benachteiligt damit alle die nicht in einem Arbeitsverhältnis stehen !!!
    (und somit nicht von den Staatlichen stützen profitieren.)

    Anstatt daß die noch priviligierten Arbeitnehmer mit der Realität der harten Anforderungen an Hartz 4 Antragssteller (oder Nicht-Antragsteller) konfrontiert werden,
    versucht
    die bUNDESREGiERUNG mit dieser Maßnahme die Arbeitnehmerschaft auf ihre Seite zu ziehen.

    Das dient der eigenen Absicherung.
    Die Unterschicht (überwiegend Ausländer) soll noch mehr belastet werden,
    und im Falle von Auseinandersetzungen
    vernichtet werden.

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