Arbeitsmarkt
Schönes Bild mit Flecken

Am deutschen Arbeitsmarkt zeichnet sich nach fünfjähriger Krise erstmals eine Trendwende ab. Nicht nur die Konjunktur sorgt für Entlastung, auch die Hartz-IV-Reform scheint nun zu greifen. Experten warnen aber vor zu großer Euphorie. Je näher man das schöne Bild vom Arbeitsmarkt betrachtet, desto mehr blinde Flecken finden sich.

BERLIN. Der Rückgang der Arbeitslosenzahl im Juli hat sogar Experten überrascht. Noch vor wenigen Tagen hatten sich Bankvolkswirte und Arbeitsmarktforscher darauf eingestellt, dass die Bundesagentur für Arbeit (BA) einen Anstieg von 60 000 bis 100 000 verkünden würde. Genau das hätte der üblichen Sommerentwicklung in früheren Jahren entsprochen: Im Juli 2005 war die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat um 58 000 gestiegen, im Durchschnitt der Vorjahre waren es sogar rund 110 000.

Tatsächlich aber zählte die BA im abgelaufenen Monat 4,386 Millionen Menschen als arbeitslos, 12 000 weniger als vier Wochen zuvor. Rechnet man die Saisoneffekte, sprich: die Folgen der üblichen Sommerflaute heraus, ist der Rückgang sogar siebenmal so stark. Binnen Jahresfrist hat sich die Arbeitslosenzahl damit inzwischen sogar um 450 000 reduziert.

Die spannende Frage ist, inwieweit sich damit eine Trendwende am Arbeitsmarkt tatsächlich verfestigt hat. BA-Chef Frank-Jürgen Weise, der in den vergangenen Monaten noch regelmäßig vor übereilter Euphorie gewarnt hatte, kommentierte die Zahlen gestern immerhin so: Sie "bestätigen, dass die konjunkturelle Erholung den Arbeitsmarkt wohl erreicht hat".

In der Tat lassen sich aus der aktuellen Monatsbilanz einige bemerkenswerte Einzelergebnisse herausfiltern. Dazu gehört vor allem, dass sich ein Zuwachs bei den sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen nun erstmals deutlich aus einer der Nürnberger Datentabellen ablesen lässt. Danach hatten im Mai, dem aktuellsten verfügbaren Monat, in Deutschland hochgerechnet 26,23 Millionen Menschen eine jener Normalarbeitsstellen, die das finanzielle Fundament der Sozialversicherung bilden. Das wäre ein Zuwachs von 54 000 gegenüber April - und zugleich der erste nennenswerte Anstieg seit Sommer 2001. Die Zahl der Erwerbstätigen, die auch Minijobber und Selbstständige erfasst, stieg laut Statistischem Bundesamt im Juni sogar um 160 000 auf 39,06 Millionen.

Seite 1:

Schönes Bild mit Flecken

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%