Arbeitsmarkt schwächer
US-Industrie gewinnt an Fahrt

Die Erholung der US-Industrie gewinnt allmählich an Fahrt, bleibt aber weiterhin ohne spürbare Impulse auf den Arbeitsmarkt. Das zeigt der am Dienstag veröffentlichte Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager, der im August stärker als erwartet stieg und zugleich ein beschleunigtes Wachstum des Verarbeitenden Gewerbes signalisierte.

Reuters NEW YORK. Analysten werteten die Daten zwar als Bestätigung der erwarteten Konjunkturerholung im zweiten Halbjahr. Eine Verbesserung der Beschäftigungssituation bleibt dem Index zufolge aber immer noch aus. Dies war Börsianern zufolge auch der Grund dafür, weshalb die US-Börsen und der Deutsche Aktienindex (Dax) in Frankfurt nach Veröffentlichung der an den Finanzmärkten gewöhnlich viel beachteten Daten kurzzeitig leicht ins Minus drehten. Auch der Dollar gab zum Euro etwas nach.

Wie das Institute of Supply Management (ISM) mitteilte, kletterte der ISM-Index im vergangenen Monat auf 54,7 Punkte von 51,8 Punkten im Juli. Analysten hatten im Durchschnitt einen geringeren Anstieg auf 53,8 Punkte vorausgesagt. Ein Index-Wert von über 50 Punkten deutet auf eine Expansion im Verarbeitenden Gewerbe hin, Werte darunter zeigen ein Schrumpfen an.

„Grundsätzlich passt das zur Erwartung, dass die Dinge weiter auf Touren kommen und wir im zweiten Halbjahr ein deutlich stärkeres Wachstum sowohl in der Industrie als auch in der gesamten Wirtschaft erwarten können“, kommentierte Volkswirt Eric Green von BNP Paribas den Index-Anstieg. Die angespannte Arbeitsmarktlage in der Industrie bleibt allerdings Dämpfer für den Konjunkturoptimismus in den USA.

Die ISM-Daten zeigten allerdings im einzelnen ein gemischtes Bild. Der Teilindex für Produktion stieg auf 61,6 (Juli 53,3) Punkte, den höchsten Wert seit mehr als vier Jahren, und der für die Neuaufträge auf 59,6 (56,6) Zähler. Der Beschäftigungsindex dagegen fiel geringfügig auf 45,9 (46,1) Punkte zurück und zeigt damit einen leicht beschleunigten Stellenabbau an.

Die angespannte Arbeitsmarktlage in der zuletzt krisengeschüttelten Industrie bleibt damit ein Dämpfer für den Konjunkturoptimismus in den USA. „Diese Zahlen sagen uns, dass wir weiterhin eine konjunkturelle Erholung ohne spürbare Beschäftigungsimpulse haben, die weiterhin auf dem Verbrauchervertrauen lasten dürfte“, sagte Kathryn Kobe von Joel Popkin and Co. Auch ISM-Experte Norbert Ore geht davon aus, dass es noch einige Zeit dauern werde, bis es im Verarbeitenden Gewerbe wieder zu einem Stellenwachstum kommt.

Auch an den Finanzmärkten sorgten die Beschäftigungsdaten Börsianern zufolge für Enttäuschung. „Es waren die schlechten Nachrichten zur Beschäftigung, die kurzfristig orientierte Händler zu Gewinnmitnahmen im Geschäftsverlauf bewegten“, sagte Marktanalyst Paul Cherney von Standard & Poor's zu den Kursverlusten an der Wall Street.

Das Verarbeitende Gewerbe, das rund ein Sechstel der US-Wirtschaftsleistung ausmacht, war am stärksten von der drastischen Konjunkturabkühlung in den vergangenen Jahren betroffen. Die Beschäftigung in dem Wirtschaftszweig wurde dabei auf das Niveau von Ende der 50er Jahre reduziert. Zuletzt mehrten sich allerdings die Anzeichen für eine Erholung der Industrie.

Auch in der Euro-Zone hellen sich die Perspektiven für das Verarbeitende Gewerbe allmählich auf. So stieg der Reuters-Einkaufsmanagerindex (EMI) für den Währungsraum im August auf ein Sechs-Monats-Hoch von 49,1 nach 48 Punkten im Vormonat und weist damit auf einen verlangsamten Abwärtstrend hin.

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