Arbeitsmarkt
US-Firmen schaffen überraschend viele Stellen

Die US-Wirtschaft erholt sich von der Rezession - und schafft zahlreiche neue Arbeitsplätze. Die Zahl der Beschäftigten stieg im April stärker als von Experten erwartet. Doch auch die Arbeitslosenquote legt zu.
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Washington. Getragen von einem Einstellungsschub in der Privatwirtschaft hat sich der krisengeplagte US-Arbeitsmarkt deutlich belebt. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg im April unter dem Strich um 244.000 - das ist der stärkste Anstieg seit elf Monaten. Der Privatsektor schuf mit 268.000 Arbeitsplätzen in einem einzigen Monat so viele Stellen wie seit Februar 2006 nicht mehr, während im öffentlichen Dienst Jobs wegfielen. Das Arbeitsministerium revidierte am Freitag zugleich den Stellenaufbau der beiden Vormonate um insgesamt 46.000 Jobs nach oben.

Der Dax reagierte positiv und legte im weiteren Handelsverlauf zu. Auch die US-Börsen reagierten erleichtert auf die Zahlen, nachdem am Vortag ein starker Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe die Kurse belastet hatte. Trotz der positiven Tendenz ist der Stellenaufbau noch immer zu gering, um das Arbeitslosenheer von 13,7 Millionen Amerikanern nennenswert zu verringern. Experten schätzen, dass pro Monat mindestens 250.000 neue Jobs geschaffen werden müssen, um die Erwerbslosigkeit spürbar abzubauen.

Dennoch lässt die kräftig gestiegene Stellenzahl aufhorchen, denn von Reuters befragte Analysten hatten lediglich ein Plus von 186.000 auf dem Zettel. Die Arbeitslosenquote stieg unterdessen leicht auf neun Prozent. Die Entwicklung der Beschäftigung wird per Firmenumfrage ermittelt, während die Arbeitslosenquote per telefonischer Haushaltsbefragung erhoben wird. Halte der positive Trend an, werde auch die Quote bald sinken, sagte der Chefwirtschaftsberater von Präsident Barack Obama, Austan Goolsbee. Auch Analysten sind optimistisch.

Die jüngsten Arbeitsmarktdaten in den USA wurden von Experten trotz der im April gestiegenen Arbeitslosenquote positiv aufgenommen. "Es wurden in vielen, vielen Branchen neue Stellen geschaffen, das ein ein ermutigendes Zeichen", sagte Mark Zandi, Chefvolkswirt bei Moody's Analytics. "Die angestiegene Arbeitslosenquote muss man im Kontext sehen. Die Zahl der Arbeitswilligen musste irgendwann steigen. Wichtig ist die Zahl der neugeschaffenen Stellen, auch wenn sich die breite Öffentlichkeit auf die Arbeitslosenquote konzentriert."

„Insgesamt hinterlässt der Arbeitsmarktbericht einen starken Eindruck. Besonders die vergleichsweise hohen Zuwächse in der Privatwirtschaft zeugen von der Belebung“, meint Thilo Heidrich von der Postbank.

Mit dem Stellenzuwachs erholt sich die weltgrößte Volkswirtschaft weiter von der schwersten Rezession seit den 30er Jahren. Die US-Wirtschaft wuchs in den ersten drei Monaten dieses Jahres jedoch nur schleppend mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von

1,8 Prozent. Die US-Notenbank stützt die Wirtschaft daher weiter und wird vorerst auch wegen der noch immer angespannten Lage am Arbeitsmarkt an ihrer Nullzinspolitik festhalten. „Die hohe Arbeitslosenquote zeigt, dass noch lange nicht von Normalität gesprochen werden kann“, meint Ökonom Heidrich. In der Rezession zwischen 2007 und 2009 sind in den USA mehr als acht Millionen Jobs abgebaut worden. Nur ein Bruchteil der Jobverluste konnte bislang wieder wettgemacht werden.

Der unter Sparzwängen ächzende Staat bremst die Belebung auf dem Arbeitsmarkt: Im Öffentlichen Dienst wurden den sechsten Monat in Folge Stellen abgebaut - das Minus belief sich im April auf 24.000. Bedenklich stimmt auch, dass in der vorigen Woche so viele Amerikaner Arbeitslosenhilfe beantragten wie seit acht Monaten nicht mehr. Der kräftige Anstieg der Erstanträge war eine große Überraschung für Konjunkturexperten, die von einem Rückgang ausgegangen waren. Dennoch werde sich die Lage am US-Arbeitsmarkt weiter aufhellen, sagt Unicredit-Ökonom Harm Bandholz voraus: Die härtesten Kostensenkungsprogramme der Firmen seien weitgehend abgeschlossen. Die Zuwächse in der Produktion dürften nun zu verstärkter Arbeitskräftenachfrage führen: „Wir gehen daher davon aus, dass die US-Wirtschaft dieses Jahr bis zu 2,5 Millionen zusätzliche Stellen schaffen wird.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • 244K klingt doch gut...jetzt ziehen wir die 62K ab die McDonalds eingestellt hat ab und die 175K durch "geschätzte" Firmen QAuflösungen / Firmen Gründungen, und am ende schafft die gesamte restliche amerikanische Wirtschaft sagenhafte.... +7K Setellen.

  • LOL, gestern besagte ein Artikel auf Hb genau das Gegenteil:

    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/us-privatwirtschaft-schafft-weniger-jobs-als-erwartet/4134248.html

  • *optimistischer

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