Arbeitsmarkt: Wirtschaftskrise stoppt Job-Boom

Arbeitsmarkt
Wirtschaftskrise stoppt Job-Boom

Das Jahr 2008 war zwar eines der besten Jahre für den Arbeitsmarkt. Allerdings zeigen die Dezemberdaten nun, dass die Wirtschaftskrise den Arbeitsmarkt erreicht hat. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist demnach gegenüber November um 114 000 auf 3,102 Mio. gestiegen.

HB NÜRNBERG. Die Arbeitslosenquote legte 0,3 Prozentpunkte auf 7,4 Prozent zu, wie die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Im Jahresdurchschnitt 2008 lag die Zahl der Arbeitslosen bei 3,268 Millionen. Das waren 508 000 weniger als noch 2007.

Die Bundesagentur geht davon aus, dass sich die Zahl der Kurzarbeiter in den nächsten Monaten kräftig erhöhen wird. Zugleich berichtete sie, dass die Arbeitslosenquote im Dezember um 0,3 Prozentpunkte auf 7,4 Prozent gestiegen sei. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, sagte: "Das Jahr 2008 war eines der besten Jahre für den Arbeitsmarkt. Allerdings zeigen die Dezemberdaten, dass die Wirtschaftskrise den Arbeitsmarkt erreicht hat. Entsprechend gedämpft ist auch unserer Optimismus für das Jahr 2009."

Volkswirte zeigten sich wenig überrascht von den Zahlen. "Die Trendwende am Arbeitsmarkt war zu befürchten", sagte Jörg Lüschow von der WestLB. Die schwache Konjunktur habe nun den Arbeitsmarkt erreicht. Das werde die Entwicklung in den nächsten Monaten prägen. Wie stark der Anstieg der Arbeitslosenzahlen ausfallen wird, hängt nach Lüschows Einschätzung auch davon ab, auf was sich die Bundesregierung beim Konjunkturpaket II einigen wird. "Ein Volumen von 40 bis 50 Mrd. Euro ist sicher die Unterkante dessen, was nötig ist", sagte er.

Auch Ralph Solveen von der Commerzbank sprach von einer erwarteten Wende am Arbeitsmarkt. "Ab jetzt dürften wir jedes Monat wieder Pluszahlen bei den Arbeitsmarktdaten sehen", sagte er. Möglicherweise stabilisiere sich die Konjunktur ab der zweite Jahreshälfte dann wieder. "Weil aber der Arbeitsmarkt, wie wir jetzt auch gesehen haben, ein nachlaufender Indikator ist, dürfte dann noch einiges kommen", sagte er.

Die UniCredit rechnet in den kommenden Monaten mit weiter steigenden Arbeitslosenzahlen in Deutschland. "Die negative Dynamik auf dem Arbeitsmarkt dürfte im weiteren Verlauf des Jahres deutlich an Schwung gewinnen", hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Analyse. Allerdings sollten Maßnahmen wie Kurzarbeit oder die Reduzierung von Arbeitszeitkonten den Anstieg der Arbeitslosigkeit im Zuge der aktuellen Wirtschaftskrise dämpfen, schreiben die Volkswirte der UniCredit.

Zuvor hatte bereits das Statistische Bundesamt in Wiesbaden erklärt, dass sich das Wachstum der Erwerbstätigkeit im November merklich abgeschwächt habe. So gingen im November zwar so viele Menschen in Deutschland einer Arbeit nach wie nie zuvor. Die Zahl der Erwerbstätigen kletterte auf den Rekordstand von 40,83 Millionen. Das waren eine halbe Million mehr als vor einem Jahr. Allerdings fiel der Zuwachs mit 1,2 Prozent so schwach aus wie seit Dezember 2006 nicht mehr. "Allmählich wird somit die konjunkturelle Abschwächung auch am Arbeitsmarkt sichtbar", hieß es.

Führende Institute erwarten, dass die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Jahr wegen der Konjunkturflaute deutlich sinkt. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) geht davon aus, dass durchschnittlich 400 000 Personen weniger in Lohn und Brot stehen werden. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte bereits Ende 2008 wieder gestiegen sein. Von Reuters befragte Analysten erwarten für Dezember eine Zunahme von 82 000 auf 3,07 Millionen. Die Bundesagentur gibt die Daten noch am Vormittag bekannt.

Im Vergleich zum Vormonat Oktober stieg die Zahl der Arbeiter, Angestellten, Beamten, geringfügig Beschäftigten und Selbstständigen um 12 000. Werden jahreszeitlich bedingte Schwankungen ausgeklammert, gab es sogar ein Plus von 19 000.

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