Arbeitsmarktbericht alarmiert
US-Stellenabbau schürt die Rezessionsangst

Die US-Wirtschaft im Abwärtstaumel: Der mit Spannung erwartete Arbeitsmarktbericht ist schlechter ausgefallen als erwartet. Es handelt sich um den stärksten Stellenabbau seit März 2003. Das blieb nicht ohne Wirkung an den Börsen.

HB WASHINGTON/FRANKFURT. Der US-Arbeitsmarktbericht fiel mit einem minus von 80 000 Jobs deutlich schlechter aus als von Analysten mit einem Stellenrückgang von 60 000 im Schnitt erwartet. Zugleich revidierte das US-Arbeitsministerium das Minus des Vormonats nach oben auf 76 000. Zunächst war ein Rückgang von 63 000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft gemeldet worden. Die Arbeitslosenquote stieg nun auf 5,1 Prozent von 4,8 Prozent.

Die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt in diesem Jahr lässt bei Experten die Alarmglocken schrillen: Monat für Monat wurden im Schnitt 77 000 Stellen gestrichen. Im zweiten Halbjahr 2007 waren noch monatlich in etwa gleichem Maße Stellen aufgebaut worden.

Die Lage am Arbeitsmarkt ist zentral für die Konsumausgaben, die wiederum gut zwei Drittel der Wirtschaftsleistung in den USA ausmachen. Der Jobabbau nährt Ängste, dass die von der Finanz- und Immobilienkrise gebeutelte Wirtschaft in eine Rezession abgleitet. „Bislang wurde ja noch darüber debattiert, ob wir in einer Rezession stecken. Mit diesen Arbeitsmarktzahlen hat sich diese Frage wohl erledigt“, sagte Analyst Rudy Narvas von 4Cast in New York.

Die US-Börsen eröffneten infolge der Arbeitsmarktdaten im Minus. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss schließlich 0,1 Prozent niedriger bei 12 609 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index gewann dagegen 0,1 Prozent auf 1 370 Zähler. Der Technologie-Index Nasdaq stieg um 0,3 Prozent auf 2 370 Punkte. Der deutsche Leitindex Dax hatte den Handel zuvor 0,3 Prozent höher bei 6 763 Zählern beendet. Im Sog fallender Kurse an der Wall Street gab auch der Dax zeitweise nach. Der Index notierte zum Handelsschluss aber mit 0,3 Prozent im Plus bei 6 763 Punkten.



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„Die US-Unternehmen bauen Beschäftigung ab. Damit ist die Wirtschaftsschwäche am Arbeitsmarkt angekommen. Das ist ein Belastungsfaktor für den Konsum und sollte eine Basis für weitere Zinssenkungen bilden“, sagte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. „Das passt zu anderen Konjunkturdaten, die anzeigen, dass sich die USA vermutlich schon in einer Rezession befinden“ sagte Carsten Klude, Chefvolkswirt bei MM Warburg.

Der Euro sprang am Freitagnachmittag kurzzeitig auf 1,5774 US-Dollar und markierte damit ein neues Wochenhoch. „Der schwache US-Arbeitsmarktbericht hat doch alle überrascht“, sagt ein Händler. Schließlich habe der ADP-Arbeitsmarktbericht zum Wochenbeginn etwas bessere Daten angedeutet.

Am Mittwoch hatte auch die amerikanische Notenbank Fed erstmals eingeräumt, dass eine Rezession in Amerika nicht mehr auszuschließen sei. „Es ist wahr-scheinlich, dass das Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr 2008 nur wenig wächst oder gar schrumpfen könnte“, so Fed-Chef Ben Bernanke.

Der Notenbanker geht jedoch weiterhin davon aus, dass die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte wieder an Fahrt gewinnt. Im kommenden Jahr werde die US-Wirtschaft ihr langfristiges Wachstumspotential wieder voll ausschöpfen. Bernanke warnte jedoch, dass seine Prognose angesichts der anhaltenden Turbulenzen auf den Finanzmärkten höchst unsicher sei. „Die Märkte stehen weiterhin unter hohem Stress“, sagte Bernanke.

» Weblog zum US-Arbeitsmarkt: In der Rezession

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