Arbeitsmarktdaten für Juli
Weise: Weniger als drei Millionen Arbeitslose möglich

Die Zahl der Arbeitslosen könnte im Herbst nach Einschätzung des Vorstandschefs der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, erstmals seit 16 Jahren unter die Marke von drei Millionen fallen – wenn es keine Massenentlassungen gibt.

HB NÜRNBERG. Zuvor hatte die Bundesagentur für Arbeit (BA) die Arbeitsmarktdaten für Juli bekanntgegeben: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juli auf 3,21 Millionen gestiegen. Insgesamt waren demnach in Deutschland im Juli 50 000 mehr Menschen ohne Arbeit als im Juni, aber 505 000 weniger als vor einem Jahr. Weise sagte: „Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist weiterhin grundsätzlich positiv, verläuft jedoch weniger dynamisch als noch vor einem Jahr.“

Ein Anstieg der Zahl im Sommermonat Juli ist üblich. Mit Ferienbeginn entlassen Unternehmen oft Mitarbeiter und verschieben Neueinstellungen auf das Ende der Sommerpause. Zudem melden sich viele Auszubildende nach Abschluss der Lehre arbeitslos. Unter Herausrechnung der jahreszeitlich bedingten Schwankungen ist laut BA die Erwerbslosenzahl saisonbereinigt um 20 000 zurückgegangen.

Die Arbeitslosenquote nahm um 0,2 Punkte auf 7,7 Prozent zu. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 8,9 Prozent gelegen.

BA-Chef Weise, sagte, die Arbeitslosigkeit sei saisonbereinigt zurückgegangen und die Beschäftigung wachse weiter. Auch die Nachfrage der Unternehmen nach Mitarbeitern bewege sich auf hohem Niveau. Nach Einschätzung von Weise wird sich der Aufschwung am Arbeitsmarkt auch im kommenden Jahr fortsetzen. „2009 könnte der Arbeitsmarkt unter heute erkennbaren Umständen sogar noch etwas besser werden als 2008“, sagte Weise. Zur Begründung verwies er unter anderem auf die hohe Zahl offener Stellen. Im Juli hatten die Unternehmen rund eine Million Arbeitskräfte gesucht.

Die Zahl der Arbeitslosen könnte im Herbst laut BA erstmals seit 16 Jahren unter die Marke von drei Millionen fallen. „Wir prognostizieren, dass wir in den Monaten September, Oktober, November zwischen 3,1 Millionen und 2,99 Millionen Arbeitslosen liegen“, sagte Weise. „Das hängt davon ab, dass Großunternehmen nicht entlassen und Mittelständler einstellen.“ Im November spiele auch das Wetter eine Rolle. „Günstig würde es sich auswirken, wenn es zu keinem starken Wintereinbruch käme“, sagte Weise weiter.

In Westdeutschland waren im Juli 2,12 Millionen Männer und Frauen ohne Beschäftigung. Das waren 47 000 mehr als im Vormonat und 330 000 weniger als vor einem Jahr. In Ostdeutschland lag die Arbeitslosenzahl im Juli bei 1,09 Millionen. Das waren 3000 mehr als im Juni und 175 000 weniger als vor zwölf Monaten. Die Arbeitslosenquote lag im Westen bei 6,4 Prozent, im Osten bei 12,8 Prozent.

Saisonbereinigt ist die Arbeitslosenzahl in Deutschland im Juli um 20 000 auf 3,250 Millionen gesunken. Im Westen nahm die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl um 9000 ab, im Osten ging sie um 11 000 zurück.

Volkswirte hatten mit den jahreszeitlich bedingten Schwankungen gerechnet: „Die Zahlen entsprechen genau den Erwartungen. Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor robust, es gibt aber erste Anzeichen, dass die Dynamik nachlässt. Das macht Sinn, weil sich die Konjunkturindikatoren seit einigen Monaten eintrüben“, sagte Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus. Die Befürchtung sei, dass die Erholung in den nächsten Monaten ausläuft und beim Beschäftigungsaufbau Korrekturen zu sehen seien.

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