Arbeitsmarktprognose
„Flexible Arbeitszeitgestaltung bald ausgereizt“

Angesichts der verschlechterten Wachstumsbedingungen in Deutschland hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) außerplanmäßig eine neue Prognose zum Arbeitsmarkt abgegeben. Darin zeigen sich die Nürnberger Forscher erstaunlich optimistisch, auch für das Jahr 2010. Grund sind die „interne Strategien“ der Unternehmen – noch.

DÜSSELDORF. Obwohl die wirtschaftliche Entwicklung 2009 schlechter verläuft als in der im Frühjahr veröffentlichten IAB-Projektion erwartet, hält das das Institut seine bisherige Prognose für die Arbeitslosigkeit weitestgehend aufrecht. Nach den aktuellen Schätzungen dürfte die Arbeitslosigkeit um 430 000 auf 3,7 Millionen Personen steigen. „Inzwischen verfügbare Daten lassen darauf schließen, dass die Unternehmen interne Strategien der Anpassung des Personaleinsatzes an die verschlechterte Auftragslage in bisher nicht gekanntem Ausmaß nutzen“, heißt es in dem Bericht, der am Mittwoch in Nürnberg vorgestellt wurde. Die Schätzung sei darum „keineswegs zu optimistisch“. Die Erwerbstätigkeit wird nach Meinung der Arbeitsmarktexperten gegenüber dem Vorjahr um 580.000 auf 39,8 Millionen zurückgehen.

Noch im März war das das zur Bundesagentur für Arbeit gehörende IAB bei seiner Arbeitsmarktprognose für das laufende Jahr von einem Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,5 Prozent ausgegangen. Einen Ausblick auf das Jahr 2010 hatten die Experten seinerzeit gar nicht angeboten. Nun legten die Nürnberger Forscher ihren Berechnungen einen Rückgang des BIP um sechs Prozent zugrunde – so wie die Regierungsprognose und das Frühjahrsgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute. Allerdings wurden auch diese Einschätzungen mittlerweile schon wieder negativ getoppt: Die Bundesbank erwartet für 2009 nun sogar ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 6,2 Prozent.

Trotz der verschlechterten Wachstumsbedingungen beharrt das IAB auf seinen bisherigen Prognosen für Beschäftigung und der Arbeitslosigkeit. Denn nach Einschätzung der Nürnberger Forscher haben viele Unternehmen in bisher nicht gekanntem Maße interne Strategien verfolgt, um ihren Personaleinsatz an die schlechtere Auftragslage anzupassen. „Sie verändern die Arbeitsproduktivität und die Arbeitszeit stärker als in der Vergangenheit und stärker als vom IAB prognostiziert“, heißt es in dem Bericht. So sei die Auslastung der beschäftigten Arbeitskräfte verringert worden, statt Personen zu entlassen.

Dieses Halten von Arbeitskräften zeigt sich laut IAB darin, dass von einem Erwerbstätigen wird im Durchschnitt weniger Leistung erbracht wird. Im vierten Quartal 2008 sank demnach die Produktivität je Erwerbstätigen um 2,7 und im ersten Quartal 2009 nochmals um 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. „Weder zur Zeit der ersten Ölkrise 1975 noch in der Nachwende-Rezession 1993 war eine solche Abschwächung der Produktivität beobachtet worden“, betonen die Nürnberger Forscher. Besonders kräftig sei der Rückgang im Verarbeitenden Gewerbe zu beobachten: mit einem Minus von 21,4 Prozent im ersten Quartal 2009. Ein Erwerbstätiger erbrachte hier also ein Fünftel weniger Leistung als ein Jahr zuvor. Einen kräftigen Rückgang der Produktivität von mehr als sechs Prozent gab es laut IAB im ersten Quartal 2009 aber auch in den Sektoren Bau sowie Handel, Gastgewerbe und Verkehr.

Etwa zur Hälfte führen die Nürnberger Forscher diese geringere Leistung der Erwerbstätigen auf eine Verkürzung der Arbeitszeit zurück. In den Unternehmen „wurden weniger Überstunden geleistet, die Spielräume zur Verkürzung der Wochenarbeitszeit genutzt und Guthaben auf Arbeitszeitkonten abgebaut, eventuell auch Minusstunden aufgebaut.“ Zudem sei ein rascher Anstieg der Kurzarbeit zu verzeichnen gewesen. Im Jahresdurchschnitt 2009 werde die Zahl der Kurzarbeiter laut IAB bei 1,1 Millionen liegen.

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