Arbeitsmarktreformen
Weber warnt vor Rückwärtsgang

Bundesbank-Präsident Axel Weber sieht in der geplanten Verlängerung des Arbeitslosengeldes I erhebliche Nachteile für das Wirtschaftswachstum Deutschlands. „Ein Rückdrehen der erfolgten Reformen wäre vollkommen kontraproduktiv. Jetzt den Rückwärtsgang einzulegen, trägt nicht dazu bei, die langfristigen Wachstumspersektiven in Deutschland zu verbessern“, sagte Weber im Gespräch mit dem Handelsblatt.

HB WASHINGTON. Weber betonte, dass Deutschland in letzter Zeit erkennbare Fortschritte bei der Stärkung des gesamtwirtschaftlichen Potenzialwachstums erzielt habe, die nicht durch Änderungen an den Arbeitsmarktreformen gefährdet werden sollten. „Die Chancen stehen gut, dass sich in Deutschland das Wachstumspotenzial in Richtung 1,75 Prozent von zuvor 1,5 Prozent oder knapp darunter erhöht hat. Das ist nicht zuletzt Verdienst der Arbeitsmarktreformen, die beginnen, Früchte zu tragen. Das zeigt für mich: Reformen brauchen einen langen Atem“, sagte Weber weiter.

Nach Schätzungen der Bundesbank wird das deutsche Wirtschaftswachstum in diesem Jahr voraussichtlich 2,5 Prozent betragen, für 2008 rechnet die Notenbank kalenderbereinigt mit knapp zwei Prozent. Unter den Ländern Europas liege Deutschland beim Wachstum im Mittelfeld und sei nicht mehr Schlußlicht, sagte Weber. Gleichzeitig forderte der Bundesbank-Präsident die Regierung auf, „das Wachstumspotenzial weiter in Richtung zwei Prozent und darüber hinaus“ zu stärken.

Mit Blick auf die durch Turbulenzen auf dem US-Hypothekenmarkt ausgelöste Finanzmarktkrise sieht Weber noch nicht alle Risiken überwunden. Zwar hätten sich die Verspannungen an den Finanzmärkten mittlerweile wieder etwas normalisiert. Aber es sei zu früh, um zu sagen, dass es eine völlige Normalisierung gibt. „Wir sehen nach wie vor Verspannungen, sowohl am Geldmarkt als auch bei Commercial Papers“, sagte Weber. So müsse man im Auge behalten, dass „neue schlechte Nachrichten aus dem Immobilienmarkt oder von den Banken immer wieder für neue Unsicherheiten und damit neue Verspannungen an den Märkten sorgen könnten.“

Den Aufbau eines amerikanischen Superfonds zur Abfederung von Risiken der Finanzmarktkrise unterstützt der Bundesbank-Präsident. „Wir begrüßen jede Initiative des privaten Sektors, für mehr Transparenz zu sorgen. Im Falle des US-Vorschlags sind noch nicht alle Details bekannt. Solche Initiativen sind sinnvoll, wenn sie zu Transparenz beitragen“, sagte Weber. In der derzeitigen Finanzmarktsituation könne es nur zu einer Normalisierung kommen, wenn sehr nachvollziehbar für Analysten, Investoren und private Anleger Transparenz über die verschiedenen Produkte und ihre Strukturen hergestellt werde. Das gelte auch für die Auswirkungen der Verwerfungen an den Finanzmärkten auf die Bilanzen und Erträge der Banken.

Erneut schloß Bundesbank-Präsident Weber systembedingte Risiken in Deutschland als Ursache für die finanzielle Schieflage der IKB Mittelstandsbank und der Sachsen LB aus. „Die IKB und die Sachsen LB waren institutsspezifische Ereignisse, die nicht verallgemeinerbar sind für das deutsche Bankensystem insgesamt. In beiden Fällen gab es Probleme wegen eines unangemessenen Risikomanagements. Das deutsche Bankensystem insgesamt hat seine Robustheit und Risikotragfähigkeit in den Monaten August und September unter Beweis gestellt. Vor allem hat sich auch gezeigt, dass das deutsche System der Einlagensicherung vorbildlich ist. Damit waren Vorkommnisse wie in Großbritannien ausgeschlossen“, sagte Weber.

Seite 1:

Weber warnt vor Rückwärtsgang

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%