Armutsvergleich in Deutschland
Arm, ärmer, Großstädter

Auf dem Papier sind die Löhne in Ostdeutschland und auf dem Land am niedrigsten. Doch dafür zahlen die Leute dort weniger Miete. Ein neues Ranking berücksichtigt die Kaufkraft – mit überraschenden Ergebnissen.
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DüsseldorfIn einer neuen Studie hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) erstmals die regionalen Preisniveaus in die Armutsberechnung einbezogen. Dies macht sich vor allem für die Großstädte bemerkbar, wo Mieten und Dienstleistungen teurer sind.

In Zahlen ausgedrückt heißt das: In den Großstädten sind die Preise um mehr als sechs Prozent höher als auf dem Land. Außerdem sind sie in Westdeutschland um sieben Prozent höher als in Ostdeutschland. Die Einkommen im Osten sind zwar niedriger als im Westen, gleichzeitig können sich die Menschen dort von ihrem Geld aber auch mehr leisten als im Westen, heißt es in der Studie „Regionaler Armutsvergleich“ des arbeitgebernahen Instituts. In der Armutsdebatte sollten nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln die unterschiedlichen Preise in den Regionen berücksichtigt werden.

Bei der alleinigen Betrachtung der Einkommen zeige sich ein starkes Gefälle zwischen West und Ost. Würden jedoch die Preisunterschiede zwischen Großstädten und ländlichen Gebieten sowie zwischen Ost- und Westdeutschland hinzugezogen, lägen die Armutsquoten „gar nicht so weit auseinander“, erklärten die Wirtschaftswissenschaftler Christoph Schröder und Klaus-Heiner Röhl.

Die Armutsgefährdungsschwelle berechnet sich EU-weit nach dem Medianeinkommen. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des Medianeinkommmens zum Leben zur Verfügung hat. Für das Medianeinkommen ist nicht die Summe der Einkommen entscheidend, sondern deren Verteilung auf die einzelnen Personen. Es geht um das Einkommen desjenigen, der genau in der Mitte stünde, wenn sich alle Personen nach ihrem Einkommen sortiert in einer Reihe aufstellen würden.

2014 lag die Armutsgefährdungsschwelle für einen Alleinstehenden bei 870 Euro. Rechnet man Sätze für Miete und anderes hinzu, liegt der Hartz IV-Satz eines Singles bei 651 Euro und damit unter der Armutsgefährdungsschwelle. Die Armutsgefährdungsquote zeigt vor allem das Gefälle zwischen Arm und Reich, sagt aber nur wenig über die Kaufkraft des Einzelnen.

Das kritisieren die IW-Ökonomen. Die Armutsgefährdungsschwelle für einen durchschnittlichen Bürger Deutschlands liegt bei 870 Euro im Monat. Doch in München benötigt ein Single 1030 Euro, um dieses Niveau zu erreichen – in Sachsen-Anhalt hingegen nur 812 Euro.

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Kommentare zu " Armutsvergleich in Deutschland: Arm, ärmer, Großstädter"

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  • Freizeitwert höher in Städten !? Ich denke das sollte man auch differenzieren : was bitte nutzt es jemanden wenn er das GELD nicht hat um diesen "Wert" zu nutzen ? Für viele gibt es die viele freie Zeit ( die man ja hat wenn man nicht arbeiten DARF !! ) nur in den eigenen vier Wänden :-(

  • Gibt es einen link zur Studie?

    Mich würden die Randbedingungen interessieren, die zum Ergebnis geführt haben.
    Dass man abgeschieden auf den Land vordergründig preiswerter leben kann als in einer Großstadt, ist trivial. Aber wie wird der in der Regel längere/teurere Arbeitsweg bewertet? Wie geht der höhere Freizeitwert in einer Großstadt in die Rechnung ein? Wie gehen der erhöhte Zeitaufwand für Einkauf und eventuell das 2. Auto ein? Wie geht der Wertverlust von Häusern oder Eigentumswohnungen auf dem Land in die Rechnung ein?

    Gestern habe ich noch einen Bericht über „Bad Laasphe“ im Fernsehen gesehen. (http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/wdr/verlassen-verramscht-114.html) Es wird einen Grund geben, warum Städte in Deutschland boomen und ländliche Gegenden veröden. Die 100 oder 200 €/Monat, die man vordergründig auf dem Land weniger verbraucht, scheinen die Vorteile eines Lebens in der Stadt nicht aufzuwiegen.

  • Armut?

    Man nehme eine Erzieherin mit durchschnittlichem Gehalt von 2.300,- Euro. Die Kostet den Arbeitgeber mind 3.000,- (Sozialvers. etc. drauf gerechnet) 4 Kinder pro Erzieherin ist geplant. somit reine Personalkosten pro Kind 750,- Euro. Dazu kommt Versicherung Raumkosten, Spielzeug, ein Essen. landen wir ca. bei 1.000,- Euro pro Kind und Monat an Kosten. Die Erzieherin selbst bekommt mit einem Kind knappe 1.580,- ausbezahlt. 184,- Euro kommen dazu als Kindergeld. Bleibt nach Abzug der Kosten für weinen Kindergartenplatz 760,- Euro. Davon kann kein Mensch wohnung und Lebensunterhalt bezahlen.

    So entsteht Armut!

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