Asien
Dürre bremst Indiens Aufholjagd

Indiens schnelle Rückkehr zu hohen Wachstumsraten ist gefährdet. Grund dafür ist das Wetter. Asiens drittgrößter Wirtschaftsmacht droht die schlimmste Dürre seit zwei Jahrzehnten. Ökonomen senken bereits ihre Prognosen, die Börse nimmt das Unheil vorweg.

NEU-DELHI. Während sich die Wirtschaft in vielen anderen Ländern langsam wieder erholt, droht Indien durch das Wetter weiter zurückzufallen. Bisher hat die Regenzeit, die lebenswichtig ist für die indische Landwirtschaft, ein Viertel weniger Niederschläge gebracht als im langjährigen Durchschnitt.

Das Land stehe vor einer schwierigen Lage, sagte Premierminister Manmohan Singh bei einem Krisentreffen mit Vertretern der betroffenen Bundesstaaten. Singhs Wirtschaftsberater Raghuram Rajan warnte, der schwache Monsun könne das Land bis zu einem Prozentpunkt Wachstum kosten. Einige Banken sind sogar noch pessimistischer. Mrudul Saggar, Chefökonom bei Kotak Securities, korrigierte seine Wachstumsprognose für das laufende Fiskaljahr um 1,7 Prozentpunkte auf 4,8 Prozent nach unten. Die Citibank erwartet im Fall einer Dürre magere 5,2 Prozent.

Innerhalb weniger Wochen scheint der Optimismus der Ökonomen verflogen, wonach Indiens Wirtschaft nach zwei schwierigen Quartalen bald wieder bis zu sieben Prozent zulegen werde. Grund dafür ist die immense Bedeutung der Landwirtschaft für Indien. Obwohl sie nur knapp ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt, hängt an ihr das Wohlergehen von mehr als 500 Millionen Menschen. Der Agrarsektor war in den vergangenen Jahren eine maßgebliche Stütze des indischen Wirtschaftsbooms. Die Ernten waren gut, der Wohlstand auf dem Land stieg, plötzlich war Geld vorhanden für Konsumgüter wie Mobiltelefone, Motorräder und Fernseher.

Doch dieser Aufschwung steht und fällt mit den Launen des Monsuns, der den Großteil der jährlichen Regenfälle bringt und auch die Staudämme füllen muss, aus denen die Felder bewässert werden. Ist er schlecht, dann sind sofort Millionen Menschen vom Hunger bedroht. Verzweifelte Bauern erzielen keine Ernte mehr und müssen sich in die Fänge skrupelloser Geldverleiher begeben. Die Nahrungsmittelpreise steigen. Das dämpft auch die Konsumlust in den Städten, wo Lebensmittel ebenfalls den Großteil der meist kärglichen Einkommen aufzehren. Die Folgen der Dürre schlagen auf die gesamte Wirtschaft durch.

Die Börse in Bombay beginnt bereits, das drohende Unheil einzupreisen. Seit einigen Tagen fallen dort auf breiter Front die Kurse. "Die Investoren ziehen sich aus Branchen wie Automobil und kurzlebige Konsumgüter zurück, die stark von der Nachfrage auf dem Land abhängen", beobachtet Vaibhav Sanghavi, Direktor des Brokerhauses Ambit Capital.

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