Auch Anstieg gegenüber Vorjahr
Deutschland exportierte im Mai deutlich mehr

Die deutschen Exporte sind im Mai trotz des starken Euro überraschend deutlich gestiegen. Ob dieser Aufwärtstrend von Dauer sein wird, ist allerdings unter Analysten umstritten.

Reuters BERLIN. Die Ausfuhren lagen mit einem Wert von insgesamt 54,3 Mrd. € nach Angaben des Statistischen Bundesamts vom Mittwoch saisonbereinigt um 3,7 % über dem Niveau vom April. Auch gegenüber Mai 2002 seien die Exporte um 8,1 % gestiegen. Nachdem der Exportrückgang im April viele Analysten am Wachstumsbeitrag des Außenhandels hatte zweifeln lassen, äußerten sich nun viele auch angesichts des jüngsten Euro-Rückgangs wieder optimistischer zu den Handelsaussichten.

Analysten uneins über Aussichten

„Der Außenbeitrag wird das Wachstum nicht belasten, sondern eher stützen“, sagte Andreas Rees von der Hypovereinsbank. Als weitere Belege für den relativ guten Ausblick für die deutschen Exporteure nannte er die Stabilisierung der Exporterwartungen im Ifo-Geschäftsklima-Index. Zudem sei die SARS-Epidemie überwunden und viele Firmen erholten sich von ihrem Schrecken über den Euro-Anstieg. Der Euro notierte am Mittwoch etwas über 1,13 Dollar, nach über 1,19 Dollar noch Ende Mai.

Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt indes bezweifelt auch nach dem jüngsten Anstieg den Wachstumsbeitrag des Außenhandels: „Der gestiegene Euro wird sich erst mit vier bis sechs Monaten Verspätung bemerkbar machen.“ So müsse sich der jüngste Rückgang der Auslandsbestellungen in den kommenden Monaten in der Außenhandelsbilanz niederschlagen. Bei der jüngsten Reuters-Umfrage hatten ebenfalls viele Einkaufsmanager geklagt, der Euro-Anstieg belaste ihre Geschäfte. In der Handelsstatistik für Mai schlug sich der Euro-Anstieg aber noch nicht deutlich nieder: Auch Exporte in Länder außerhalb der Euro-Zone legten zu.

Völlig ungeschoren wird der Außenhandel angesichts des Euro-Anstiegs auch nach Ansicht von Jan-Paul Ritscher von der HSH Nordbank nicht davonkommen: „Der Außenhandel wird zwar auch dieses Jahr einen Wachstumsbeitrag leisten. Wir werden allerdings nicht mehr die Dynamik der Vorjahre erleben.“ Entscheidend für den Wachstumsbeitrag des Außenhandels ist die Differenz zwischen Exporten und Importen. Ritscher zeigte sich gewiss, dass der Außenbeitrag vor allem durch die von der Binnenflaute gebremsten Importe entstehen wird.

Handelsbilanzüberschuss übertrifft Erwartungen

Die Importe lagen im Mai mit 44,2 Mrd. € 2,2 % über dem Niveau vom April und 9,8 % über dem Vorjahreswert. In der Handelsbilanz verbuchte Deutschland den Angaben zufolge im Mai einen Überschuss von 10,1 Mrd. €, die Leistungsbilanz schloss mit einem Überschuss von 3,1 Mrd. € ab. Von Reuters befragte Analysten hatten einen Handelsbilanzüberschuss von neun Mrd. € und ein Leistungsbilanzplus von 2,3 Mrd. € prognostiziert.

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