Auch Importe sinken leicht
Deutsche Ausfuhren gehen im August leicht zurück

Die Exporte Deutschlands haben im August im Vergleich zum Vorjahr erneut kräftig zugelegt, waren gegenüber dem Juli jedoch leicht rückläufig. Innerhalb eines Jahres stiegen die Ausfuhren um 12,8 %, die Einfuhren sogar um 15,1 %. Das teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit.

HB WIESBADEN. Die Ausfuhren sanken mit einem Wert von 56,3 Mrd. € saisonbereinigt um 1,4 % im Vergleich zum Juli, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. „Es ist zwingend notwendig, dass die Binnennachfrage anspringt, damit der Aufschwung auf eine breitere Basis gestellt wird und anhält“, warnte Ulrike Kastens vom Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim. Auch andere Analysten sagten, schon jetzt zeichne sich ab, dass der Wachstumsbeitrag des Außenhandels im zweiten Halbjahr nicht mehr so groß sein werde wie im ersten. An dem Minus im August seien jedoch auch die Ferien Schuld, hieß es.

Dem Amt zufolge exportierte die Wirtschaft im August trotz des Minus zum Juli noch 12,8 % mehr als vor einem Jahr. Die Importe gingen von Juli auf August nur um 0,1 % auf 45,2 Mrd. € zurück und lagen damit sogar 15,1 % über dem Vorjahr. Das Plus in der deutschen Handelsbilanz schrumpfte im August auf 11,1 von 13,6 Mrd. € im Juli. Analysten hatten ein Plus von 11,6 Mrd. € erwartet. In der Leistungsbilanz verbuchte Deutschland einen Überschuss von nur noch 0,9 Mrd. €.

Der boomende Export ist bislang einzige Stütze des deutschen Wirtschaftswachstums, das Ökonomen und Bundesregierung in diesem Jahr auf 1,5 bis 2,0 % schätzen. Kastens warnte: „Der Außenhandel wird im dritten Quartal schlimmstenfalls keinen positiven Wachstumsbeitrag mehr liefern.“ Die Hoffnungen hingen deshalb an Ausrüstungsinvestitionen der Firmen wie Maschinen. Nach positiven Daten im Maschinenbau und bei Nutzfahrzeugen sei dort ein Plus im dritten Quartal möglich. Jörg Krämer von Invesco verwies darauf, dass die Exporte im Juli und August nur um 0,5 % über dem zweiten Quartal gelegen hätten nach einem Anstieg von fast fünf Prozent im ersten Quartal und gut drei Prozent im zweiten Vierteljahr.

Klaus Schrüfer von der SEB nannte die Exportentwicklung im August typisch für den Ferienmonat August. „Man sollte nicht vergessen, dass das Exportvolumen immer noch deutlich höher als vor einem Jahr ist.“ Die Exporte seien noch der Hauptantrieb für das deutsche Wachstum. Er rechne mit einem Wirtschaftswachstum von rund 0,4 % im dritten Quartal nach 0,5 % im zweiten, schränkte jedoch ein: „Die große Gefahr ist, dass die hohen Ölpreise längerfristig einen größeren Einfluss auf das Wachstum haben als bislang angenommen.“ Andreas Rees von der HypoVereinsbank sagte, noch zeichne sich ein anständiger Wachstumsbeitrag des Außenhandels für das dritte Quartal ab: „Er wird aber sicherlich nicht mehr so groß sein wie im zweiten Quartal.“

Rees sagte, mittelfristig sei schwer vorstellbar, dass die vom Export ausgelösten Impulse auf den privaten Verbrauch überspringen: „Sie haben es ja auch in den letzten anderthalb Jahren nicht getan. Warum sollten sie es ausgerechnet jetzt tun?“ Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank sagte, der schwächere Außenhandel könnte im zweiten Halbjahr zumindest teilweise von der Binnenwirtschaft aufgefangen werden. Als Haupthindernis für mehr Privatkonsum und einen Aufschwung der Binnenwirtschaft gilt der schwache deutsche Arbeitsmarkt.

Starke Steigerungsraten verzeichneten die deutschen Exporteure im August im Handel mit den anderen Ländern der Euro-Zone, der zum Vorjahr um 18,3 % auf 23,8 Mrd. € zulegte. Aber auch in Drittländer stiegen die Exporte um 10,7 % auf 20,8 Mrd. €. Kastens sagte, diese Entwicklung spreche für die steigende Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft trotz der Aufwertung des Euro, die deutsche Waren außerhalb des Währungsgebietes verteuert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%