Auch warnende Stimmen
Ifo sieht Trendwende

Der Ifo-Geschäfsklimaindex ist im Juli den dritten Monat in Folge gestiegen. Damit steht Deutschland nach Einschätzung des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) vor einer konjunkturellen Belebung.

rtr/vwd BERLIN. Der Ifo-Index für Westdeutschland habe auf 89,2 von 88,8 Punkten im Juni zugelegt, teilte das Ifo-Institut am Montag mit. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt allerdings sogar mit einem Anstieg auf 89,7 Punkte gerechnet, da andere Indikatoren wie das Konjunkturbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zuletzt deutlich gestiegen waren. An den Finanzmärkten spiegelte sich die Enttäuschung über den geringen Anstieg des Index wider: Der deutsche Aktienindex Dax gab zeitweise einen Teil seiner Gewinne ab.

„Die Besserung beschränkte sich allerdings auf die Erwartungen für die nächsten sechs Monate“, teilte das Ifo-Institut mit. Der entsprechende Teilindex stieg auf 100,2 von 98,6 Punkten im Juni. Ihre derzeitige Geschäftslage schätzten die rund 7000 vom Ifo befragten Unternehmen dagegen wieder ungünstiger als im Vormonat ein. Hier gab der entsprechende Teilindex auf 78,7 von 79,4 Punkten nach.

„Nach den bisherigen Erfahrungen deutet ein dreimaliger Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas in Folge auf eine bevorstehende konjunkturelle Belebung hin“, erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Das Klima habe sich in allen erfassten Bereichen mit Ausnahme des Bauhauptgewerbes verbessert. In Ostdeutschland verbesserte sich das Geschäftsklima auf 103,1 von 102,1 Punkten im Juni.

Ifo-Chefvolkswirt Jan-Egbert Sturm warnte aber zugleich davor, die Anzeichen für eine konjunkturelle Trendwende zu überschätzen. Die Erwartungen der vom Ifo befragten Unternehmen habe sich zwar verbessert, die Lagebeurteilung in Westdeutschland sich aber verschlechtert, sagte Sturm. „Daher muss man etwas vorsichtig sein.“ Die Wahrscheinlichkeit für eine sich abzeichnende konjunkturelle Erholung sei zwar „sehr hoch“. Derzeit müsse man aber vor allem abwarten, wie sich die Lage der Geschäfte entwickele. Dies sei auch von der schwächer als erhofft gebliebenen Exportwirtschaft abhängig.

„Ich bin skeptisch, ob das für Deutschland einen Aufschwung im zweiten Halbjahr bedeutet“, kommentierte Jörg Krämer von Invesco Asset Management. Die Unternehmen beurteilten zwar ihre Geschäftserwartungen besser, ihre aktuelle Lage schätzten sie dagegen schlechter ein.

Ökonomen hatten aber bereits im Vorfeld gewarnt, der Ifo-Faustregel zu viel Gewicht zu geben. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Index mit drei Zuwächsen in Folge die Experten in die falsche Richtung geschickt, der erhoffte Aufschwung war ausgeblieben.

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