Auf 1,5 Prozent
OECD senkt deutsche Wachstumsprognose 2008

Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Wachstumsprognose für Deutschland gesenkt.

HB PARIS. Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr um 1,5 Prozent zulegen, hieß es in der am Dienstag veröffentlichten Prognose. Bislang hatte die OECD mit 1,9 Prozent gerechnet. Sie ist damit pessimistischer als die Bundesregierung, die 1,7 Prozent erwartet. Die Prognose wurde auch von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) vor kurzem bekräftigt.

Im Vergleich zu den beiden anderen großen Volkswirtschaften des Euro-Raums steht Deutschland noch gut da. Für Frankreich senkte die OECD ihre Vorhersage von 1,8 auf 1,0 Prozent, für Italien von 0,5 auf 0,1 Prozent. Für den gesamten Euro-Raum geht die OECD nur noch von 1,7 (bisher: 1,3) Prozent aus. „Die Finanzkrise, der Abschwung am Immobilienmarkt und die hohen Rohstoffpreise belasten das globale Wachstum weiter“, hieß es zur Begründung. Dagegen dürfte sich die US-Konjunktur besser als erwartet entwickeln: Für die weltgrößte Volkswirtschaft wurde die Prognose von 1,2 auf 1,8 Prozent heraufgesetzt.

Die deutsche Wirtschaft tritt der OECD zufolge bis Jahresende auf der Stelle. Das Bruttoinlandsprodukt werde im laufenden dritten Quartal stagnieren und auch im Schlussquartal kaum zulegen. Im Frühjahr war die Wirtschaft um 0,5 Prozent und damit zum ersten Mal seit knapp vier Jahren geschrumpft. Alle wichtigen Indikatoren haben sich seither weiter abgeschwächt: das Ifo-Geschäftsklima der Unternehmen, das GfK-Konsumklima der Verbraucher und der ZEW-Indikator der Finanzmarktexperten befinden sich jeweils auf dem niedrigsten Stand seit Jahren.

Finanzminister Steinbrück rechnet aber nicht mit einer Rezession und sieht Chancen für eine Erholung, sobald die Finanzkrise überwunden ist. „Die Wirtschaft ist deutlich besser aufgestellt als vor fünf Jahren - und die augenblicklichen Schwierigkeiten meistern wir erkennbar besser als damals und besser als andere Partner.“ Die Inflation und das schwache Wachstum seien zwar nicht erfreulich: „Aber wir haben bisher keine negativen Effekte auf dem Arbeitsmarkt, was ganz wichtig ist.“

Etwas Rückenwind für die Wirtschaft der Euro-Länder verspricht der schwächere Euro. Dadurch stiegen die Absatzchancen in Übersee, sagte OECD-Chefvolkswirt Jorgen Elmeskov gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Allerdings habe die Euro-Abwertung auch ihre Schattenseite, da damit die Importe von Rohstoffen teurer würden. „Es ist eine gute Nachricht für das Wachstum, aber eine schlechte für die Inflation“, sagte Elmeskov angesichts der jüngsten Kursentwicklung, die den Euro von seinem Rekordhoch von 1,60 auf aktuell 1,45 Dollar gedrückt hat.

Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bezeichnete der OECD-Chefvolkswirt als „angemessen“. Wegen der Rekordinflation hatten die Währungshüter ihren Leitzins im Juni von 4,0 auf 4,25 Prozent angehoben. Dabei dürften sie ihn nach Einschätzung der meisten Analysten bei ihrer Ratssitzung an diesem Donnerstag sowie für den Rest des Jahres belassen. Angesichts der trüben Konjunkturaussichten wird derzeit aber damit gerechnet, dass die EZB ihren Leitzins im kommenden Jahr senkt.

Bei niedrigeren Zinsen wird es für Banken billiger, sich bei der Notenbank mit frischem Geld einzudecken. Dadurch sinken auch die Kreditkosten für Unternehmen und Verbraucher, was Investitionen und Konsum ankurbeln, aber auch den Inflationsdruck erhöhen kann.

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