Auf Wachstumskurs
Deutsche Exporteure verdienen gut in Golf-Staaten

Die Ausfuhren des Exportweltmeisters Deutschland in die arabischen Staaten sind trotz der Krise auch im ersten Quartal überraschend weiter gewachsen. Trotz der guten Zahlen fordern deutsche Wirtschaftsvertreter noch mehr Unterstützung für ihr Syrien- und Irak-Geschäft.

BERLIN. Das geht aus den von der Arabisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer (Ghorfa) in Berlin vorgelegten Zahlen über den deutschen Außenhandel mit den 22 Staaten der Arabischen Liga hervor. Demnach sind in den ersten drei Monaten 2009 die Ausfuhren aus Deutschland in diese Region um 2,9 Prozent auf 6,3 Mrd. Euro gestiegen, während die Importe aus diesen Ländern um 35,4 Prozent auf zwei Mrd. Euro eingebrochen sind.

„Das sind exzellente Zahlen, nachdem der deutsch-arabische Handel schon 2008 alle Erwartungen übertroffen hatte“, kommentierte Ghorfa-Präsident Thomas Bach die Entwicklung. Im vergangenen Jahr hatten die deutschen Ausfuhren in die arabische Welt um 20,8 Prozent auf 28,1 Mrd. Euro und die Einfuhren um 32,6 Prozent auf 14,1 Mrd. Euro zugelegt. Vor allem in die Vereinigten Arabischen Emirate (plus 9,9 Prozent) sowie nach Libyen (plus 200), Algerien (28) und in den Irak (38) sind die deutschen Exporte seit Jahresbeginn besonders stark gestiegen.

Die deutsche Wirtschaft dürfe sich aber „nicht mehr nur auf den Handel mit der arabischen Welt beschränken, sondern muss dort strategische Partnerschaften aufbauen“, mahnte Bach. Dabei seien die Übernahme des Maschinen- und Anlagenbauers MAN Ferrostaal durch den Staatsfonds International Petroleum Investment Company (Ipic) aus Abu Dhabi, die Beteiligung eines weiteren Staatsfonds des Emirats an Daimler sowie die Verhandlungen der Qatar Investment Authority (QIA) über einen Einstieg bei Porsche „nur die Spitze des Eisbergs“, so Bach: „Vor allem im mittelständischen Bereich gibt es eine enorme Ausweitung gegenseitiger Investments.“

Die in der Ghorfa vertretenen 400 deutschen Firmen und arabischen Handelskammern hofften zudem, dass es in der Wirtschaftskrise nun zu positiven Veränderungen komme. Dazu zählten verstärkte Aktivitäten deutscher Bildungsanbieter in arabischen Ländern oder mehr politische Unterstützung für deutsche Firmen im Irak- und Syrien-Geschäft. Der deutsche Kreditversicherer Euler-Hermes müsse dringend seine Bedingungen für die Absicherung des Syrien-Handels verbessern, verlangte Ghorfa-Vize Saeb Nahas, der zugleich Präsident seiner syrischen Industriegruppe Nahas Enterprises Group ist. Frankreich und Schweden betrieben aktive Wirtschaftshilfe für ihre Unternehmen in Syrien, während Hermes Geschäfte erschwere.

Damaskus, bestätigte auch Bach, öffne sich derzeit wirtschaftlich stark und treibe massiv die Privatisierung voran. Syrien wird deshalb auch Gastland des diesjährigen Deutsch-Arabischen Wirtschaftsforums am 25. und 26. Juni. Dazu wird der reformorientierte Vizepremier Abdallah Al-Dardari nach Berlin kommen.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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