Aufschwung braucht Unterstützung des privaten Konsums
Issing geht von Konjunkturerholung aus

Trotz einiger Schwächeanzeichen der Konjunktur geht der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, unverändert von einer anhaltenden, wenn auch moderaten wirtschaftlichen Belebung in der Eurozone aus. 2005 könnte sich das Wirtschaftwachstum im Euro-Raum danach beschleunigen.

HB FRANKFURT. „Wenn das Quartalswachstum weiter so anhält, dann liegen wir für das Gesamtjahr 2004 im Euro-Raum bei einem Plus von rund 1,5 Prozent. Im folgenden Jahr könnte dann die Wachstumrate deutlich höher ausfallen“, sagte Issing in einem am Freitag vorab veröffentlichten Interview der „Stuttgarter Zeitung“.

Er schränkte jedoch ein: „Der Aufschwung, der seit einem halben Jahr im Gange ist, wird nicht sehr weit tragen und nicht sehr stark ausfallen, wenn ihn der private Konsum und die Inlandsnachfrage nicht kräftiger als bisher unterstützen.“ Dabei gehe es nicht um einen Konsumrausch. „Es genügt, wenn die Konsumausgaben parallel zum Anstieg der Realeinkommen steigen.“

Nach einigen schwachen Konjunkturdaten war in den vergangenen Wochen der Druck auf die EZB gewachsen, die Wirtschaftserholung mit einer weiteren Zinssenkung zu stützen. Die Zentralbank hatte den Leitzins bei ihrer jüngsten Entscheidung erneut unverändert bei 2,00 Prozent gelassen. Bei weiteren schwachen Konjunkturdaten rechnet eine wachsende Minderheit der von Reuters befragten Bankvolkswirte mit einer geldpolitischen Lockerung im Mai oder Juni.

„Wir haben im letzten halben Jahr im Euro-Raum Wachstumsraten von 0,3 bis 0,4 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vorquartal gesehen. Das sind keine berauschenden Zahlen, aber doch eine deutliche Erholung“, sagte Issing. Wenn sich dieser Aufschwung fortsetze, werde sich auch die Lage am Arbeitsmarkt verbessern. Im Übrigen sei auch eine Zunahme der Investitionen im Euro-Raum festzustellen. Diese seien in den vergangenen drei Jahren schwach gewesen. „Per Saldo haben in dieser Zeit keine Investitionen stattgefunden. Das ist zugleich aber auch ein Grund, warum wir damit rechnen, dass die Lage jetzt besser wird“, sagte Issing. „Der technische Fortschritt zwingt die Firmen zu Ersatzinvestitionen und die Zinsen sind so niedrig wie nie zuvor.“

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