Aufschwung
Norwegen hakt Wirtschaftskrise ab

Die Ölindustrie des skandinavischen Energielieferanten zieht kräftig an und auch der Immobilienmarkt boomt dank niedriger Zinsen. Die Wirtschaft erholt sich jedoch schwächer als zunächst erwartet. Zudem wächst die Furcht vor einer erneuten Blasenbildung.
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STOCKHOLM. Norwegen hat die Rezession endgültig überwunden: Im Sommerquartal legte die Wirtschaftsleistung um 0,9 Prozent zu. Damit wuchs das Bruttoinlandsprodukt bereits zwei Quartale in Folge. Trotz der positiven Nachrichten des Statistischen Zentralamtes SSB in Oslo gab es gestern aber auch skeptische Stimmen. "Es war eindeutig schwächer, als wir erwartet hatten", sagte Frank Bruun, Chefökonom der Fokus Bank in Oslo. Vor allem das vom Öl unabhängige "Festland-BIP", also die Wirtschaftsleistung ohne die Öl- und Gas-Industrie, entwickelte sich schwächer als von Volkswirten erwartet. Lediglich die Norwegische Zentralbank hatte eine solch maue Entwicklung vorhergesagt. Für 2010 rechnet die Zentralbank mit 2,75 Prozent Wachstum, nachdem die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 1,25 Prozent sinken dürfte.

Norwegen war das erste Land in Europa, das nach einer Serie von Leitzinssenkungen den Refinanzierungssatz im vergangenen Monat um 0,25 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent wieder anhob. Die Bank begründete ihren Schritt mit der wieder anziehenden Teuerungsrate. Und sie stellte bis zum Frühjahr 2010 eine weitere Anhebung der Leitzinsen in Aussicht.

Das Land ist mit der Zinserhöhung Vorreiter in Europa. Allerdings hat Norwegen die globale Finanzkrise wegen seiner enormen Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung deutlich besser überstanden als die meisten anderen Industriestaaten, die nicht auf die sprudelnden Geldquellen zurückgreifen konnten. Die rot-grüne Koalition von Premier Jens Stoltenberg konnte ein umfassendes Konjunkturprogramm auf den Weg bringen, ohne sich große Sorgen um den Haushalt machen zu müssen. Der Impuls für die Wirtschaft belief sich insgesamt auf 4,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Allerdings präsentiert sich die norwegische Wirtschaft zweigeteilt: Während die Öl- und Gasindustrie brummt und im Sommer zwei Prozent zulegte, stottert der Rest der Wirtschaft. So legte das "Festland-BIP" lediglich um 0,5 Prozent im dritten Quartal zu.

Um eine Überhitzung der Wirtschaft zu vermeiden, zahlt Norwegen seit den 90er-Jahren den Großteil der Überschüsse aus dem Öl- und Gasgeschäft in einen Ölfonds ein. Mit den Mitteln sollen die Renten auch der nachfolgenden Generationen finanziert werden, wenn einmal die Quellen im Nordatlantik nicht mehr sprudeln.

Binnennachfrage noch robust

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