Auftragseingänge deutsche Industrie
Vorbote für kühlere Konjunktur

Die deutsche Industrie hat im Juni überraschend 0,5 % weniger neue Aufträge erhalten als im Vormonat. Da es bereits im Mai ein Minus gab, das mit 1,5 % sogar stärker ausfiel als ursprünglich gemeldet, zeichnet sich nach Ansicht von Bankvolkswirten ein langsameres Wachstumstempo bei der Industrie in den nächsten Monaten ab.

DÜSSELDORF. Matthias Rubisch von der Commerzbank begründete dies heute auch mit der Abkühlung der Weltwirtschaft und der Euro-Aufwertung. Auf eine Abschwächung des Wachstumstempos deutet auch der heute veröffentlichte leicht rückläufige Frühindikator für den OECD-Raum hin. Einem Anstieg des Indikators für die Euro-Zone stehen niedrigere Werte für die USA, Großbritannien und Japan gegenüber.

Für Alexander Koch von der Hypo-Vereinsbank scheint inzwischen vor allem der Höhepunkt im weltweiten Investitionszyklus erreicht. In den USA dürfte er sogar bereits überschritten sein, da die Unternehmen für Ausrüstungen und Software im zweiten Quartal weniger ausgaben als in den ersten drei Monaten. Eine deutliche Abschwächung der Auslandsnachfrage würde vor allem die deutsche Investitionsgüterindustrie treffen, die stark vom Export abhängt. Entscheidend für sie wird deshalb sein, in welchem Ausmaß eine langsamere Gangart in der US-Konjunktur auf andere wichtige Abnehmer deutscher Produkte in Asien und den Ölförderländern ausstrahlt.

Das Bundeswirtschaftsministerium räumte heute ein, dass die Bestell-Dynamik bei der Industrie in den vergangenen Monaten schwächer geworden ist, die Auftragslage sei aber „nach wie vor gut“. Nach den Juni-Zahlen sank die Inlandsnachfrage um 1,2 %, während die Auslandsorder sich nach starkem Rückgang mit 0,2 % Plus leicht erholten.

Die stärksten Impulse kamen im zweiten Quartal von der Nachfrage nach Vorprodukten wie chemischen Erzeugnissen und Stahl. Die Konsumgüternachfrage brach im Juni zwar ein, ist im zweiten Quartal insgesamt jedoch gestiegen. Die Aufträge für Investitionsgüter aus dem Inland legten im Quartalsdurchschnitt zwar zu, fielen im Juni aber auf den niedrigsten Stand in diesem Jahr. Das dämpft etwas die Hoffnungen auf eine kontinuierliche Investitionsbelebung im Inland. Diese wäre als Ausgleich aber erforderlich, denn die Auslandsorder für Investitionsgüter nahmen im zweiten Quartal trotz des leichten Anstiegs im Juni um 3,7 % ab – zum ersten Mal seit zwei Jahren.

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