Aufwärtstrend
Krise beflügelt Chinas Billig-Exporte

Der Export-Riese China profitiert inzwischen von den Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise: Da die Verbraucher stärker auf den Preis achten müssen, verkaufen chinesische Hersteller wieder mehr Billigprodukte ins Ausland. Deshalb gingen die chinesischen Exporte im September nur um 15,2 Prozent zurück, Analysten hatten mit einem deutlich stärkeren Rückgang gerechnet.
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PEKING. In den letzten Monaten waren Chinas Ausfuhren jeweils um fast ein Viertel gesunken. Binnen Monatsfrist stiegen die Exporte saisonbereinigt sogar um 6,3 Prozent.

Die deutliche Stabilisierung sei eine sehr gutes Zeichen für Chinas wirtschaftliche Erholung, urteilen Analysten wie Brian Jackson von der Royal Bank of Canada in Hongkong: "Eine stärkere Nachfrage aus dem Ausland ist eine zusätzliche Stütze für die Konjunktur." Die Bank of America und Barclays Capital erwarten, dass Chinas Exporte schon im November wieder wachsen. Damit dürfte China im Gesamtjahr 2009 den bisherigen Exportweltmeister Deutschland ablösen, was schon im ersten Halbjahr der Fall war. Denn trotz der weltweiten Nachfrageflaute hat China im Welthandel seinen Anteil vergrößern können. Das Reich der Mitte sticht dabei vor allem andere Billigproduzenten in Asien oder Südamerika aus - dank flexibel einsetzbarer Wanderarbeiter und massiver Unterstützung des Staates.

"Wenn die Verbraucher weniger Qualität nachfragen, kann China davon nur profitieren", sagt der US-Ökonom Nicholas R. Lardy. Die Folge ist momentan eine neue Welle von Billigprodukten aus China, gegen die sich die USA und auch die EU-Staaten mit Strafzöllen zu wehren versuchen - ob auf Autoreifen, Stahlrohre oder Schuhe.

Neben den Handelszahlen gibt es weitere Signale dafür, dass China als erste große Wirtschaftsnation den Weg aus der Krise findet. So stellen Massenhersteller wieder massiv ein. Das Unternehmen Flextronics International, weltweit zweitgrößter Produzent von elektronischen Geräten, sucht für seine Fabriken in Südchina mehrere Tausend Arbeitskräfte.

Der Exporteinbruch hatte zu Beginn der Krise auch China stark getroffen. Viele Fabriken in der südchinesischen Küstenregion mussten mangels Aufträgen schließen, Millionen von Beschäftigten wurden arbeitslos. Nach einer Studie der Chinese Acadamy of Social Science in Peking verloren in der Volksrepublik durch die jüngste Krise insgesamt 41 Millionen Arbeiter ihren Job.

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