Ausblick 2006
Baugewerbe krempelt die Arme hoch

Im deutschen Baugewerbe ist die Stimmung so gut wie lange nicht mehr: Nach jahrelanger Talfahrt erwartet die Branche in diesem Jahr einen deutlichen Aufwärtstrend. Selbst die leidgeprüften Betriebe in den neuen Bundesländern sehen einen Silberstreif am Horizont.

HB BERLIN. „Es gibt deutliche Anzeichen, dass es aufwärts geht“, sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutsches Baugewerbes (ZDB), Arndt Frauenrath, am Donnerstag in Berlin. Er erwarte, dass die Bauinvestitionen sogar stärker wachsen als von den sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstituten im Frühjahrsgutachten angenommen. Die Institute gehen von einem Plus von 1,2 Prozent aus. „Aus heutiger Sicht können wir uns vorstellen, dass die Bauinvestitionen anziehen“, sagte er. Damit relativierte er die bisherige Prognose des ZDB von minus zwei Prozent.

Trotz des Aufschwungs werde die Zahl der Beschäftigten von 717 000 im Durchschnitt des vergangenen Jahres weiter zurückgehen, sagte Frauenrath. Der Umsatz der Bauwirtschaft werde 2006 vermutlich bei 72,5 Milliarden Euro liegen. „Vielleicht etwas höher“, sagte der Chefvolkswirt des ZDB, Lutz Uecker. Im vergangenen Jahr setzten die Baufirmen 74,3 Milliarden Euro um, 5,7 Prozent weniger als 2004. Das Jahr 2005 war für die Bauwirtschaft das elfte Rezessionsjahr, die Bauinvestitionen lagen mit 201,6 Milliarden Euro real 3,4 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres.

Die Anzeichen für einen Frühling der Baukonjunktur seien gut, sagte Frauenrath. Vor allem im gewerblichen Bau und im Straßenbau verzeichneten die Firmen eine steigende Nachfrage. Sorgenkind bleibe nach wie vor der Wohnungsbau, wo die Zahl der Baugenehmigungen rückläufig sei.

Die Entwicklung der Baukonjunktur sei regional stark unterschiedlich, so Frauenrath: So habe der Auftragseingang Anfang des Jahres in Westdeutschland um gut zwölf Prozent zugelegt, während die Nachfrage im Osten nicht einmal um vier Prozent anzog. Allerdings seien die Bauinvestitionen pro Kopf im Osten höher als im Westen. „Im Osten haben wir sicherlich noch eine ganze Menge Überkapazitäten“, sagte Frauenrath. Ungebachtet dessen schauen die Unternehmen positiv in die Zukunft: Nach einer Umfrage des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle/Saale (IWH) beurteilen 60 Prozent der Baufirmen im Osten ihre Geschäftslage positiv. Dies sei der beste Wert seit zehn Jahren. Ihre Geschäftsaussichten bis zum Herbst schätzten sogar 69 Prozent der 300 befragten Unternehmen als gut oder eher gut ein.

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer wird nach Ansicht des Zentralverbandes die privaten Baunachfrage in ganz Deutschland kräftig bremsen und zu mehr Schwarzarbeit führen. Die Belebung am Bau sei auch nicht auf Vorzieheffekte wegen der Steuererhöhung zurückzuführen. Solche Effekte gebe es bei Fernsehern und ähnlichen Produkten, aber nicht beim Bau eines Gebäudes, sagte Frauenrath. Lediglich bei Arbeiten an bestehenden Häusern mache sich ein Vorziehen von Investitionen bemerkbar. Auch die zum Jahresanfang abgeschaffte Eigenheimzulage habe Ende 2005 keinen Aufschwung ausgelöst.

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