Ausblick bleibt dennoch vorsichtig
Tankan-Index überraschend auf 13-Jahres-Hoch

Das wichtigste Konjunkturbarometer Japans ist im September überraschend auf ein 13-Jahres-Hoch gestiegen. Der Index zum Ausblick der Unternehmen auf die kommenden Monate gab allerdings leicht nach und verstärkte den Eindruck, dass die Erholung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt an Fahrt verliert.

HB TOKIO. Der Quartalsbericht Tankan der japanischen Notenbank wies am Freitag den Diffusionsindex für die Wirtschaftsstimmung bei Großunternehmen (DI) des verarbeitenden Gewerbes auf einem Stand von 26 aus - den höchsten seit Mai 1991. Vor drei Monaten lag er bei 22. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hatten einen Wert von 23 vorausgesagt.

Der Index für die Zeit bis Ende des Jahres war allerdings mit 21 Punkten wieder niedriger. Auch das nicht verarbeitende Gewerbe hinkt mit seiner Stimmung noch immer hinterher. Der japanische Aufschwung bleibt damit weiter stark vom Export abhängig.

Der Index bildet den Saldo von Einschätzungen eines günstigen und eines ungünstigen Geschäftsumfeldes ab und basiert auf einer Umfrage unter mehr als 10.000 japanischen Firmen. Devisen- und Aktienhändler ließen sich von der Kernaussage des Berichts beflügeln und investierten in den Yen sowie in japanische Werte. Die japanische Währung legte unmittelbar nach Bekanntgabe des Tankan um ein viertel Prozent zum Dollar zu. Der Tokioter Nikkei-Index schloss um 1,49 Prozent höher, wenngleich er die psychologisch wichtige Marke von 11.000 Punkten verfehlte.

Regierung zeigt sich hoch zufrieden

„Der September-Index war besser als erwartet, aber der Index für den Ausblick ist gleichzeitig vorsichtiger als erwartet“, sagte Yoshikiyo Shimamine von Dai-ichi Life Research Institute. „Sorgen wegen einer Verlangsamung der Wirtschaft in Übersee und die höheren Rohölpreise scheinen die Aussichten zu beeinträchtigen.“ Der Preis für ein Barrel (159 Liter) US-Leichtöl schnellte Anfang der Woche auf mehr als 50 $ hoch, und die Tokioter Börse beendete erst am Donnerstag eine Serie von neun Handelstagen mit Verlusten, da die Investoren Signale für ein verlangsamtes Wachstum der beiden Haupt-Exportmärkte USA und China mit Sorgen aufgenommen hatten.

Aus Sicht der japanischen Regierung bestätigte der Tankan-Bericht, dass die Zeichen für die Wirtschaft des Landes gut stehen: „Auch wenn das Ergebnis stärker ausfiel, als an den Märkten erwartet, bin ich nicht besonders überrascht“, sagte der japanische Wirtschaftsminister Heizo Takenaka. „Das Ergebnis bestätigt unsere Auffassung, dass die Wirtschaft sich kräftig erholt und dass sich die Geschäfte der Unternehmen verbessern.“

Investitionen steigen

Die großen Unternehmen planen im Finanzjahr bis Ende März auch höhere Investitionen als bisher: Der neuen Umfrage zufolge wollen sie um 6,1 % mehr investieren, während sie zum Zeitpunkt der Juni-Umfrage noch eine Steigerung von 5,7 % geplant hatten. Damit bleiben sie allerdings hinter den Erwartungen der Analysten zurück, die mit einer Steigerung um 6,3 % gerechnet haben.

Der DI für nicht gewerbliche Großunternehmen stieg im September auf 11 von 9 im Juni und erreichte damit nicht die durchschnittliche Analystenschätzung von 13. Der Index für den Ausblick aufs kommende Vierteljahr betrug 10 und verschlechterte sich damit zum ersten Mal in elf Quartalen. Auch die kleinen Unternehmen bleiben hinter der guten Stimmung der Großindustrie zurück: Bei den gewerblichen Firmen stieg der Stimmungsindikator auf 5 nach 2, bei den nicht gewerblichen auf minus 17 von minus 18.

„Insgesamt sieht es so aus, als ob nur die Zahlen für die großen Unternehmen stark gewesen wären“, sagte Kazuhiko Sano von der Nikko Citigroup. „Ich glaube, dass dieser Tankan den Höhepunkt der Geschäftsstimmung ausweist.“

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