Ausblick
IWF sieht Ende der US-Rezession in 2010

Lichtblick für die weltgrößte Volkswirtschaft: Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für die US-Wirtschaft Mitte nächsten Jahres einen „soliden Aufschwung“. Das hatte sich im April noch ganz anders angehört.

WASHINGTON. Damit revidiert das Institut seine eigene Prognose vom April, in der noch von einem negativen Wachstum 2009 von 2,8 Prozent und einer Stagnation in 2010 ausgegangen worden war.

Im laufenden Jahr bleibt das Bild allerdings noch weitgehend unerfreulich. In den USA wird mit einer Schrumpfung des BIP um 2,5 Prozent gerechnet. Zudem warnt der IWF vor den immer größer werdenden Haushaltslöchern. Das amerikanische Etatdefizit werde bis zum Jahr 2011 auf neun Prozent des BIP ansteigen. Verbunden seien damit erhebliche Risiken für Währung und Staatsanleihen. Es gehe deshalb um die Frage, wie verantwortungsbewusst mit dem Defizit umgegangen werde. „Die mittelfristigen Aussichten sind durch einen ungewöhnlichen Grad an Unsicherheit gekennzeichnet“, warnen die Autoren. Es gebe noch erhebliche Risiken, etwa auf dem Immobilienmarkt und durch ein weiteres Ansteigen der Arbeitslosigkeit.

Immerhin: Die Gründe für die etwas rosigeren Aussichten für das kommende Jahr führt der IWF auf die Wirkung des US-Konjunkturpaketes zurück. Es sei richtig, die staatlichen Hilfen auch weiterhin fließen zu lassen. Allerdings drängte der Fonds in seinen Konsultationen mit Washington darauf, dass eine Exit-Strategie für den Ausstieg aus den staatlichen Konjunkturspritzen entwickelt werde. Diese solle möglichst international koordiniert geschehen.

Eine Inflationsgefahr sieht der IWF auf die USA erst ab 2011 zukommen. Nächstes Jahr könnte die Teuerung mit 0,5 Prozent einen Boden erreichen, bevor sie dann wieder steige. John Lipsky, stellvertretender Chef des IWF, lobte die Reaktion der US-Regierung als „stark und umfassend“. Der Rückgang der Geschäftstätigkeit in den USA habe sich verlangsamt und die finanziellen Bedingungen hätten sich verbessert, sagte Lipsky.

Mehrfach allerdings versuchte sich der IWF gegenüber Unwägbarkeiten abzusichern. So sei nicht abzuschätzen, wie sich der Immobilienmarkt weiter entwickle. Sollte sich der Preisverfall bei Häusern fortsetzen und auch die Zahl der Zwangsversteigerungen weiter wachsen, seien neue heftige Turbulenzen auf den Finanzmärkten möglich. Für den Fall, dass im Frühjahr nächsten Jahres die Wirtschaft nicht anziehe müsse die US-Regierung zusätzliche finanzielle Anreize erwägen. Der US-Notenbank riet der IWF, ihre Politik niedriger Zinsen beizubehalten.

Das Budget der Regierung von Barack Obama für 2010 definiere „angemessene Ziele“, heißt es in dem IWF-Bericht. Allerdings weisen die Autoren auch darauf hin, dass der Etat auf ehr optimistischen Annahmen beruhe. Damit dieses Szenario auch wahr werde, müsse die Regierung bereit sein, unterstützend einzugreifen. Dies sei nötig, „damit die langfristigen Ziele auch erreicht werden“, sagte Lipsky am Montag in Washington.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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